Sonntag, 27. Januar 2013

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Dienstag, 1. Januar 2013

Eine Inventur der letzten vierzig Jahre


Das nachstehende Interview führte Gerhard Keck mit mir. Es erschien am 27. Dezember 2012 im "Schwarzwälder Boten". Danke an Gerhard Keck für die Genehmigung zur Veröffentlichung an dieser Stelle:



Freudenstadt.
Matthias Kehle aus Karlsruhe, Jahrgang 1967, organisiert in Zusammenarbeit mit KVHS-Direktor Sascha Falk und dem Horber Lyriker Walle Sayer die zweijährlich stattfindenden Literaturtage Nordschwarzwald Baiersbronn-Freudenstadt. Im Blick sind bereits die Termine für Frühherbst 2013. Dennoch bleibt Zeit für die eigene literarische Tätigkeit. Kehle, studierter Germanist und Soziologe, ist Autor zahlreicher Publikationen. Dafür wurde er auch mit Preisen bedacht. Seit 2009 ist Matthias Kehle Landesvorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller.

Ihr neuer Lyrikband "Scherbenballett" vereinigt 80 Gedichte, die großteils als kühn verknappte Alltags-Kurzprosa gelesen werden können. Wie lange haben Sie daran gearbeitet?

Gute Gedichte zu schreiben, ist verdammt schwer: Fünf Jahre. Für die Rohfassung der "Wanderbibel" haben wir dagegen nur acht Wochen benötigt.

Sie sprechen von der Kindheit als einem "Scherbenballett". Welche Erfahrungen stehen dahinter?

Ich finde, man sollte keine allzu glückliche Kindheit haben. Meine Kindheit war so unbeschwert und glücklich, dass ich wohl mein Leben lang auf der Suche nach der verlorenen Kindheit sein werde. In meiner Erinnerung tanzen die Scherben dieser glücklichen Kindheit Ballett.

Gedichtaufbau, Zeilenanordnung und -zusammenhang verlangen vom Leser aktive "Mitarbeit", nicht nur bloßen Konsum. Verlocken Sie ihn damit bewusst zum Verweilen und Hinterfragen, oder sind das zeitgeistkonforme methodische Mätzchen?

Ich möchte zum Verweilen und zum Hinterfragen verlocken und hoffe, dass sich so manches vermeintlich "schwierige" Gedicht in meinen Lesern einnistet und er sich mit all den Rätseln, Hintergedanken, Sprachspielen, die ja sehr bewusst gesetzt sind, beschäftigt. Dann eröffnen sich ihm, so hoffe ich, große Bedeutungs- und auch Erkenntnisräume.

Stark chiffrierte Gedichte mit verwegenen Wortschöpfungen kontrastieren mit Arbeiten, die Sie als Analysten des Alltäglichen, nahezu Banalen am Beispiel der Trilogie "Hotelzimmer" ausweisen. Wie erklärt sich diese unterschiedliche Vorgehensweise?

Mal ist das Leben banal, mal unerklärlich, mal erfordert ein Gedanke eine Verschlüsselung, um klar zu werden, mal eine Reduktion. Außerdem ist jedes Gedicht ein geschlossenes sprachliches System, das in sich stimmig sein muss. Mal als hermetisches, mal als banales System. Kurz: Jedes Sujet sucht sich seine Form. Und da die Gedichte stark komprimiert sind, sind sie notwendigerweise komplex.

Das Poem "Fundus" und die erste Zeile eines Gedichts mit der Formulierung "Dies meine Nebenwohnung" erinnern an Günter Eichs "Inventur". Ist beides davon beeinflusst?

Dichter haben viele Väter, Eich ist einer meiner literarischen Väter. Dieser "Vater" musste nach dem Krieg eine ganz andere Inventur vornehmen als ich in meinem "Fundus". Während Eichs Inventur sehr spartanisch ausfällt, gibt es bei mir einen "Fundus", aus dem das lyrische Ich schöpfen kann. Viele der Gedichte befassen sich übrigens mit der Alltags-Geschichte der Bundesrepublik, man denke nur an das Gedicht "Fotoalbum-Flohmarkt". Der Band "Scherbenballett" ist auch eine "Inventur" der letzten 40 Jahre, der Zeit, die ich überschauen kann. Übrigens spiele ich in anderen Gedichten beispielsweise auf Rilke oder Walter Helmut Fritz an.

Lyriker werden häufig als sehr introvertiert und gefühlsbeladen charakterisiert. In der kürzlich erschienen "Wanderbibel", einer Kooperation mit dem Kollegen Mario Ludwig, schlagen Sie einen ganz anderen, nämlich heiteren, häufig ironischen, nach außen gekehrten Ton an. Wie vertragen sich diese beiden Wesenserscheinungen?

Viele Spaßmacher sind oder waren sehr ernste Menschen, etwa Charlie Chaplin. Vielleicht kann man nur dann wirklich heiter und komisch sein, wenn man um die Abgründe des Lebens weiß. Und natürlich um dessen Schönheiten. Und was "gefühlsbeladene Lyriker" betrifft, so schrieb der Dichter Mallarmé: "Ein Gedicht entsteht nicht aus Gefühlen, sondern aus Worten."

Die Fragen stellte Gerhard Keck.

Das Buch: Matthias Kehle: Scherbenballett. Gedichte. Verlag Klöpfer & Meyer Tübingen 2012. Gebunden mit Schutzumschlag. 124 Seiten.16 Euro.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Gedichte aus Scherbenballett und Rezension bei DRS 2

Vorgestern wurde mein Band "Scherbenballett" in der Sendung "Passage - Lyrik aktuell" im Schweizer Radio DRS vorgestellt und gewürdigt - als einer von sechs Lyrikbänden überhaupt des Jahres 2012. In dieser zweiten Ausgabe der Sendung 2012 werden auch die neuen Gedichtbände von Ingrid Fichtner und Wislawa Szymborska besprochen.
Hier nachzuhören! (ab 17 Minuten 50 Sekunden)

Solche Sendungen sind im öffentlich-rechtlichen Soundmüll Deutschlands undenkbar.