Freitag, 21. November 2008

Gedicht des Tages von Christoph Wenzel

Auch ihn habe ich bei einem Autorentreffen im letzten Jahr in Aachen kennengelernt. Zuletzt saßen wir noch in einer Studentenkneipe, obwohl ich keine Studi-Spelunken mehr mag. Ein Gedichtband von ihm liegt unter dem Titel zeit aus der karte vor, viele weitere werden sicher folgen. Jetzt ist Christoph erstmal zum nächsten "Literarischen März" eingeladen. Herzlichen Glückwunsch! Ich drück ihm fest die Daumen, zumal er von den "ganz" Jungen (er ist Jahrgang 1979) einer der Talentiertesten ist. Wie schrieb Theo Breuer in "Macondo" so treffend: "Eine Reihe dieser Gedichte sind Meisterstückchen! Hier kann einer lyrische Begabung mit handwerklichem Können und Wissen derart verbinden, daß am Ende feine kristalline Gebilde herauskommen..."


eine neue heimat aus dem kleinen
reihenhaus fällst du in die zechen-
siedlung die kulissen: eine reihe schiefer
zähne wir trugen die bergschäden an den fassaden

sind die risse verspachtelte adern oder klaffen
kleiner tagesbrüche mal rutschen geschirr
und gläser von den schränken die kinder sacken
aus dem schlaf

hinterm bahndamm ragen die gesprengten
gestalten – schlote kühltürme – auf geneigten
photos in die gruben: fürs gedächtnis

unweit das ausgestellte förderrad
diese treibscheibe jetzt mehr klettergerüst
für uns kinder als industrie-

denkmal

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