Dienstag, 4. November 2008

Kuno Bärenbold - Letzte Verführung


Kuno Bärenbold war natürlich kein Lyriker, auch wenn er sein ärmliches Durlacher Zuhause "Poetenstube" nannte. Der Großteil seiner Texte war schlecht, ja mitunter erbärmlich. Krude Männerphantasien, moralinsaure Geschichten, Stories, die auf eine billige Pointe hin geschrieben sind etc. Das ist bekannt.


Doch, wenn man Kunos Gesamtwerk liest, bleibt eine Handvoll Texte übrig, "Geschichten wie schmuckloses, oft grob behauenes, aber grundsolides Dachstuhlgebälk", so Harald Hurst über die Knastgeschichten, die Erzählungen aus der Arbeitswelt, Stories über Klofrauen, Bücherjunkies oder Postboten, die er bei den "Lese-Events" mit Harald Hurst und Gunzi Heil nie gelesen hatte, weshalb Kuno völlig falsch eingeschätzt wurde. Kuno versuchte immer mit dem badischen Kultdichter Harald Hurst zu konkurrieren und daran scheiterte er logischerweise. Täte man alle literarisch relevanten Texte von Bärenbold versammeln, es käme ein schmales Bändchen zusammen - doch das scheiterte daran, dass die Rechte nicht frei sind. Gott sei Dank fand sich auf seinem Rechner genügend Material für einen Nachlassband, Thomas Lindemann vom Karlsruher Info-Verlag war schnell überzeugt, einen solchen unter dem Titel "Letzte Verführung" zu publizieren. Er spiegelt alle Facetten von Kunos öffentlichem Wirken in den letzten Jahren wider. Darin finden sich eine autobiografische Erzählung zum Thema "Depression" oder literarische Porträts von Außenseitern, aber auch gepfefferte Leserbriefe - typisch Kuno - David gegen Goliath, Kuno gegen den Südwestrundfunk. Authentisch ist ein ausführliches Interview, in dem Kuno von seinen Knasterfahrungen und dem Mord erzählt, den er begangen hat. Nicht zu vergessen das sehr persönliche Vorwort von Harald Hurst, in dem er seinen "Einzelgängerfreund" treffend porträtiert.
Ich persönlich finde „Klein-Dichter“ wie Kuno, die aus innerer Notwendigkeit schreiben, oft interessanter als Schriftsteller, die sich am literarischen Markt orientieren müssen. Und Dichter, die ein schmales Gesamtwerk hinterlassen, das fast nur gewichtige Texte enthält, Dichter, deren Lebenswerk man "in die Tasche" stecken kann, faszinieren mich besonders, beispielsweise Rainer Brambach. Weshalb schreibt einer so wenig, weshalb produziert sich einer nicht ständig für den Markt?

„Letzte Verführung“ – Nachgelassene Texte von Kuno Bärenbold, herausgegeben von Matthias Kehle und Thomas Lindemann. Erschienen in Lindemanns Bibliothek im Info-Verlag 12,80 Euro.

Termin: Buchvorstellung am Montag, den 10. November um 20.15 in der Durlacher Orgelfabrik. Mit Gunzi Heil, Harald Schwiers, Ole Hoffmann, Thomas Lindemann und Matthias Kehle

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