Mittwoch, 5. November 2008

Morgenlektüre


Ausgerechnet an unserem Hochzeitstag in diesem Jahr starb er. Werner Dürrson, für mich einer der ganz Großen, dessen Werkausgabe in meinem Bücherregal deutliche Gebrauchsspuren aufweist. Ähnlich wie die Bücher etwa von Walter Helmut Fritz, Walle Sayer oder Werner Lutz. Die bibliophilen Bände des Waldgut-Verlags, bei dem Lutz' Werk erscheint, möchte ich am liebsten mit Samthandschuhen anfassen.
Ich erinnere mich an die Trauerfeier für Dürrson (hier gehts zur Website), an den "Leichenschmaus". Links über mir hing ein Plakat mit diesem wunderbaren Gedicht, "Tagtraum bei Föhn". Ich las es immer wieder, trank dabei einen trockenen Riesling und als leidenschaftlicher Bergwanderer hatte ich sofort ein Bild vor mir, ein Bild, das sich wie das Gedicht, in mein Gedächtnis gebrannt hat. Heute, an diesem grauen Novembermorgen, fiel mir dieses Gedicht wieder ein:

Tagtraum bei Föhn


Droben am Hügel lag ich zur
Traubenzeit zwischen den Quellen
und trank nicht

träumte stattdessen von dir und von
schlimmeren Gegenden -

jähes Erwachen beim Knall der
Schreckschußkanone die Schwärze
wegrauschender Stare

ein Schloß zwei Kirchen drei
Villen zufüßen wußte ich wieder
der Schrecken ist eine
Erfindung

das Schwelen verheerender Brände
ein kleines Kartoffelkrautfeuer
dort drüben

der Steckbrief ein Buchenblatt
das mir im Schlaf aufs
Gesicht fiel

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