Mittwoch, 19. November 2008

Schreibprozess

Wenn ich an Erzählungen arbeite, bin ich nicht in der Lage, Gedichte zu schreiben. Eine Geschichte wächst beim Entstehen, mäandiert, fließt in verschiedene Richtungen. Sie schwillt an bis sie ihren Höchststand erreicht hat, der Pegel sinkt langsam ab, am Ende ist die Erzählung ein ruhiger Fluss. Ein Gedicht ist eine Pfütze. Es wird solange eingedampft, bis nur noch eine Spur davon vorhanden ist, rissige Erde, eine Randlinie.
Ich arbeite derzeit an einem Erzählband mit dem Arbeitstitel "Türkische Musik", der im nächsten Jahr erscheinen soll, falls nichts dazwischen kommt. Danach schreibe ich nur noch Gedichte. Voraussichtlich. Vielleicht schreibe ich gar nichts mehr, sondern steige nur noch auf die Berge. Dieser Satz ist eine Trotzreaktion - ein gutes Buch zu schreiben ist (zumindest in meinem Fall) harte Arbeit.
Ich musste die Erzählungen schreiben. Als mein Vater im April 2002 starb, hatte ich immer mehr Bilder, Geschichten, Porträts von Menschen im Kopf, die mir in meinem Leben bislang begegnet sind. Diese Geschichten musste ich erzählen. Einige davon sind erschienen in "Am Erker" ("Der Hahn"), Allmende ("Ginster") oder ndl ("Blumen ins Zimmer"). In den letzten Jahren habe ich bemerkt, dass die meisten dieser Bilder, Geschichten, Porträts in meinem Kopf versiegt sind, weil sie Eingang gefunden haben in Erzählungen. Drei Texte musste ich in diesem Jahr noch schreiben, einer davon ist fast fertig, einer ist halbfertig, einer ist in der Rohfassung. Es sind keine autobiographischen Geschichten. Sie enthalten autobiographische Elemente, und zwar genau 31,2%.

1 Kommentar:

Oliver Gassner hat gesagt…

Ach was, gesteh(!): 56,7%