Samstag, 27. Dezember 2008

Gedicht des Tages - Andreas Altmann

Seit vielen Jahren gehören die Gedichte von Andreas Altmann (hier geht es zum Poetenladen) zu meinen Favoriten, seine Stimme ist unverwechselbar. Das in diesem Jahr erschienene Lyrikheft "Gemälde mit Fischreiher" mit zehn neuen Gedichten ist auch optisch und haptisch einer der schönsten neuen Lyrikbände des Jahres. Einen "jüngeren Bruder" hat Altmann m.E., nämlich Nico Bleutge. Beide erkunden Landschaften fotografisch detailgenau. Während Bleutge jedoch - um im Bild zu bleiben - digitale Aufnahmen anfertigt, beherrscht Altmann zusätzlich "Photo-Shop", nimmt seiner Lyrik die Sprödigkeit und gibt ihr Tiefenschärfe.
Wenn ich mich mit Dichtern unterhalte, die nicht hochdeutsch sprechen, wundere und freue ich mich immer über ihren Dialekt, der so gar keinen Einfluss auf ihr Schreiben zu haben scheint. Andreas Altmann spricht ein herrliches Sächsisch, und vermutlich geht es ihm mit meinem badischen (nicht schwäbischen!) Dialekt ähnlich.
Andreas hat mir das folgende unveröffentlichte Gedicht für mein Blog überlassen, wofür ich ihm herzlich danke.



IM GROSSEN RAUM mit den angelehnten särgen
drehten sich vierarmige ventilatoren. nur einer
bewegte sich nicht. vor dem haus hatten sie
der straße die teerschicht abgenommen. darunter
führte ein schienenstrang durch die wand.
die absperrungen waren in das gelände gewachsen.
unter der last junger bäume bogen sich die dach
rinnen auf. und sprengten die wurzeln. in den licht
balken, die durch die öffnungen im stein drangen,
war die luft zu sehen. sie vibrierte leise in den augen.
es hörte sich an, als kratzten fingernägel an der inneren
seite des holzes. dann wieder, war es ganz still.
ich musste nur lange genug die augen offen halten.

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