Dienstag, 20. Januar 2009

Elisabeth Alexander gestorben


Es ist schon Ironie des Schicksals: Just an dem Tag, an dem ihre amerikanische Namensvetterin bei der Amtseinführung von Obama ihren großen Auftritt hat, erreicht mich die Nachricht, dass die Heidelberger Schriftstellerin Elisabeth Alexander gestorben ist. Die folgende Pressemeldung habe ich eben verfasst:

Für eine Weile gehörte Elisabeth Alexander zu den großen Damen der Nachkriegsliteratur. Nun ist die Heidelbergerin im Alter von 86 Jahren gestorben. Mit witzig-provozierenden Gedichten um Sex und Eros wurde sie Ende der 60er-Jahre schnell bekannt – ihr Gedichtband „Bums“ bedeutete 1970 der Durchbruch. Fortan galt sie als „pornografische Autorin“, wobei Feministinnen die Texte der alleinerziehenden Mutter ablehnten. Bis 2002 erschienen fast 40 Bücher von Elisabeth Alexander, seitdem lebte sie schwerkrank in einem Pflegeheim. Ihr erfolgreichstes Buch, vom Feuilleton zum Teil euphorisch aufgenommen, war „Die törichte Jungfrau“ (1978). Mit der Figur der Josefine Bähr schuf sie ein Gegenbild zur Pornowelle - das Bett ist Ort der Lust, aber auch der Erkenntnis. Auch der folgende Roman „Sie hätte ihre Kinder töten sollen“, der Monolog einer Mutter, beschäftigt sich mit dem gesellschaftlichen Platz der Frau. Elisabeth Alexander publizierte kontinuierlich Gedichte, Erzählungen und Kinderbücher („Fritte Pomm“), wurde später jedoch in Nordamerika mehr wahrgenommen als in Deutschland. Lediglich mit den Erzählbänden „Damengeschichten“ und „Herrengeschichten“ sowie dem Roman „Bauchschuss“ sorgte sie in den 80er- und 90er-Jahren noch einmal für Aufsehen.
Die Autorin war lange Vorstandsmitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS) in Baden-Württemberg. Für ihre Arbeit erhielt sie viele Auszeichnungen, unter anderem die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. maske



Leck mich am Arsch
(Elisabeth Alexander)

Wenn er gewaschen
ist
vom Weißen Riesen
in Rei
vielleicht mit Dash
was läge da
einer Leckerei
noch im Weg?


(aus: "Bums", Merlin-Verlag 1971)

Das obenstehende Foto zeigt mich bei einem Besuch bei Elisabeth Alexander am 2.11.1998.

Links:
Würdigung zum 85. Geburtstag
Rezension Fritte Pomm
Homepage von Elisabeth Alexander
Nachruf Szyllas Lesezeichen

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