Sonntag, 18. Januar 2009

Gedicht des Tages - Hendrik Rost

"Ohne Bewegung könnte ich gar nicht existieren", sagte Hendrik Rost anläßlich des Baden-Badener Baldreit-Stipendiums, das er im Jahr 2002 inne hatte. Ich bin zwar kein Marathon-Läufer wie Hendrik Rost, aber ein leidenschaftlicher Geher und Wanderer (Jogger können in jeder Jahreszeit laufen, mir ist der Winter ein Gräuel), und ich frage mich, weshalb wir uns damals nicht getroffen haben, weshalb ich keinen Kontakt zu ihm aufgenommen habe. Ich vermute, es lag daran, dass in diesem Jahr mein Vater starb, vermutlich getraute ich mich auch nicht, weil von mir damals erst ein Gedichtband beim Alkyon-Verlag sowie ein bibliophiles Bändchen auf dem Markt war und mich in der "Szene" kaum jemand kannte.
Für's "Badische Tagblatt" habe ich damals immerhin seinen Gedichtband "Aerobic und Gegenliebe" rezensiert. Ein paar Geniestreiche fand ich in diesem bei Grupello erschienenen Band und ein paar Sentimentalitäten.

Inzwischen gibt es den Grupello-Verlag leider nicht mehr, Hendrik Rost veröffentlicht seine Gedichte inzwischen beim Wallstein-Verlag - den letzten Band "Im Atemweg des Passagiers" publizierte er 2006. Derzeit arbeitet Hendrik an einem neuen Band, der im Herbst dieses Jahres ebenfalls bei Wallstein erscheinen soll unter dem Titel "Der Pilot in der Libelle". Nähere Infos wie immer im Poetenladen.

Aus diesem Band hat mir Hendrik ein Gedicht überlassen. Merci! Wäre ich sein Lektor würde ich ihm die letzte Zeile komplett streichen. Überhaupt finde ich fast in jedem Gedicht Wörter und Zeilen, die ich streichen würde. Sogar bei Walter Helmut Fritz habe ich mich einmal dabei ertappt. Nur bei Sabina Naef wird es schwierig...


Material

Wer das Wort vermeiden kann:
Ich. Oft träume ich von Insekten.
Staaten entstehen und alles ist
kollektive Intelligenz und Zerstörung.
Träume, in denen das Vernichten
seine Nester baut. Gefurchte Materie,
die grau ist wie alle Farben auf einmal.
Tief in der Mitte haust die Königin und
gebärt. Ich um Ich kommt zur Welt
und wird Gedicht. Nichts ist verkehrt.

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