Donnerstag, 22. Januar 2009

Gedicht des Tages - Nadja Küchenmeister

Als Walle Sayer und ich uns zum ersten Mal persönlich trafen, "gestanden" wir uns gegenseitig, dass wir neue jede Zeitschrift, jede Anthologie erst einmal nach Gedichten des jeweils anderen durchforsten.
Heute geht es mir mit Nadja Küchenmeister so - erst mal gucken, was die junge Frau wieder tolles geschrieben hat. Sie gehört nicht zu den "Spitzenklöpplern" (siehe Eintrag Nr. 56 vom Januar von Axel Kutsch in der "Lyrikzeitung") unter den jungen Lyrikern. Wenn ich ihre Gedichte lese, höre ich etwas, ich sehe, ich rieche, ich spüre Sinnlichkeit. Das ist bei nicht vielen der "jungen" Dichter der Fall. Ich behaupte, die Gedichte, die überdauern werden, sind solche sinnlichen Gedichte. Wenn ich in den "Großen Conrady" schaue, scheint sich meine Behauptung zu bestätigen.
Noch gibt es kein Buch von Nadja Küchenmeister (Jahrgang 1981), über die aber schon Gerüchte kursieren, die ich allerdings für mich behalte. Schließlich geht es um die Texte, und ihre Gedichte gehören zu den besten der "jungen Szene". Die Autorin hat mir ein Gedicht zur Verfügung gestellt, das schon in "Bella Triste" zu lesen war. Sie mag keine Erstveröffentlichungen im Netz, zunächst sollte ein Gedicht handfest gedruckt sein. Klammheimlich muss ich ihr recht geben - ich würde es auch nicht anders machen.

notizen

sie bauen das dach bis in den frühen abend
hämmern und sägen, laute rufe. mich rüttelt
das rauschen der blätter im hof. der nachbar
ist weg. der sonnenschirm zu. am nachmittag
ist das fenster beschlagen. unter der heizung
stehen die schuhe. die krone der esche schon
freigelegt das elsternest im dämmrigen licht.

wie kann ich über die schwelle gehen und in
die dunkelheit, wo man nichts sieht. jetzt steigt
wieder rauch in den klaren himmel. die elster
ist über das dach geflogen, doch im schreien des
windes ist schon böses genug. bald sind die straßen
überfroren und was ich nachts noch in gedanken
schrieb, hab ich am nächsten morgen verloren.

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