Montag, 26. Januar 2009

Gedicht des Tages - Stan Lafleur

Ursprünglich wollte ich heute nichts posten. Ich bin nicht gerade frisch, habe nicht ausgeschlafen, leide an meiner Winterdepression. Da fiel es mir aber wie Schuppen aus den Haaren, dass ich bei der Vorstellung von Stan Lafleurs Blog zum Thema Rhein noch eines seiner Rheingedichte posten wollte. Alf (na, wer schon? Der legendäre Außerirdische!) stellte ja einmal die deutsche Frage: "Warum ist es am Rhein so schön?" Am Witz liegt's nicht.
Und um noch zwei, drei sinnvolle Sätze dazu zu schreiben: Je älter ich werde, desto mehr interessieren mich die Dichter, deren Gedichte ich zunächst nicht "verstehe". Je fremder, je irritierender, desto faszinierender. Swantje Lichtenstein ist eine solche Autorin, in deren Gedichten man sich festbeißen muss. Aber Swantje ist ein anderes Mal dran. Hier ein unveröffentlichtes Rhein-Gedicht von Herrn Lafleur:


Rheinsingsang

durch eine zielrohrähnliche Tunnelanlage
von einer vielflügeligen Fräse getrieben
die wahwahlastige Musik der Weißfische
kommt in auslaufenden Druckwellen
mit splitternden kleinen Grätenpfeilen
Wildlife abseits der Genfer Konvention
die ewigen formschönen Kiesel über
die Goethe schon schritt, schon Heine
das schönste Vermächtnis der Nation
besteht aus Wellen, Aufbau und Zerfall
Altare im zeitlosen Dämmer des Gerölls
in den Jahresringen riesiger Welse
freigelegt von Schiffsschrauben und
der Tiefenschärfe des Fachjournalismus
im Gries der Strömung lauern Grauwerte
auf Grauwerte, das stumme Dröhnen
der Jahrmillionen, wie easy es schwingt
und dann die Einschläge der Kormorane
als Filmsequenz ein Stückchen Ewigkeit
sie wachsen dem Fluß aus den Ohren
aus dem Mund, überlagert von einer
nur äußerlich blond wirkenden Melodie

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