Samstag, 24. Januar 2009

Lauter Verrisse

Manchmal schießt man über's Ziel hinaus, und manchmal geht die Leidenschaft mit mir durch. Manch ein Kollege, manch eine Kollegin kann ein Lied davon singen, wenn ich mich beispielsweise vorschnell zu einer kritischen Äußerung über ein Buch hinreißen lasse. Meine Verrisse bereue ich dagegen nicht, auch wenn in meinem Gästebuch böse Einträge zu lesen sind, weil ich mir erlaubt habe, Paolo Coelho in die Pfanne zu hauen.
Lustig finde ich meine Besprechung zu "Der Alchimist" und zu "Veronika beschließt zu sterben". Und noch lustiger ist mein Verriss eines Gedichtbandes einer gewissen Frauke Blome, den ich vor Jahren einmal für Am Erker geschrieben habe (hier geht es zu meinem Gästebuch!).
Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Sehr bedauert habe ich im Nachhinein eine Email an Axel Kutsch. Ich erinnere mich, dass ich seine letzte Anthologie "Versnetze" in reichlich groben Worten abgekanzelt (ein besserer Ausdruck fällt mir nicht ein) habe. Zumal Axel Kutsch für mich einer der kenntnisreichsten Menschen der Szene ist. Und ganz ursprünglich wollte ich mit diesem Posting ganz kurz und knapp auf seinen treffenden Kommentar
Biederer Lobgesang und Rumpel-Lyrik
zum Inaugurationsgedicht von Elizabeth Alexander und zu Durs Grünbeins "Ein letztes Gedicht für den Palast der Republik" im Poetenladen hinweisen. Ein schönes Wochenende!

Kommentare:

hab hat gesagt…

allerdings, muss man bemerken, gehört es nicht zu den ganz schwierigen dingen, einen coelhotext zu zerlegen. ich frage mich darum, warum solcherlei texte überhaupt besprochen werden müssen, da dies doch schon die äusserst effiziente werbeabteilung von diogenes tut. (das ist sehr naiv von mir gefragt: gehört coelho zum pflichtprogramm, bei dem stellung zu beziehen ist?) jedes wort über den text potenziert seinen bekanntheitsgrad und rubriziert ihn möglicherweise noch an falscher stelle. und selbst ein verriss stiftet noch unmengen freundschaften. passionierte coelholeserinnen dürfte dagegen ein abrieb weniger beeindrucken ...

czz hat gesagt…

Dass ausgerechnet die Frankfurter Rundschau beim genannten Durs Grünbein einen Verriss ( Die süsse Realität , FR vom 22. 1. 09 ) von Elizabeth Alexanders Inaugurationsgedicht bestellt oder jedenfalls abgeholt und - gedruckt hat , stellte eine grosse Enttäuschung dar . Leicht lässt sich in "Praise song for the day" aus europäischer Perpektive die Reihe der Topoi von "Alltag" und "Arbeit einfacher Menschen" denunzieren , wobei man genau umgekehrt lobend just die Vermeidung von "Herrscherlob" und Panegyrik herausheben könnte .

Dass der Herrscherfreund Grünbein Letzteres bewusst unterlässt , versteht sich von selbst ... und hätte m. E. seinen Ort besser in der FAZ gehabt . Dort aber lässt man Maxim Biller gegen Thomas Bernhard wüten , währned man "Meine Preise" zugleich vorabdruckt . Das alles ist , wie man in Österreich sagt "a g'mahte Wies'n" bzw. schlicht und einfach "geschenkt" : Kritik ohne Erkenntnis und mit lediglich maliziösem Interesse gehört wohl eher ins Fach der "Unterhaltung" und stellt ihrerseits nichts anderes als ein Distinktionsritual gewisser Gruppenideologien dar .