Freitag, 6. Februar 2009

Gedicht des Tages - Johannes Kühn

Viel will ich heute nicht posten, zu Johannes Kühn brauche ich schließlich nicht viel zu sagen. Jedenfalls habe ich mich sehr gefreut, heute morgen in meinem Email-Postfach fünf neue, unveröffentlichte Gedichte von ihm vorgefunden zu haben. Sommerlich geht es zu in dem Text, den ich ausgewählt habe. Das passt zwar nicht zur Jahreszeit, immerhin: Gestern habe ich auf dem Karlsruher Ludwigsplatz die erste Amsel des Jahres gehört. Wie lange habe ich auf diesen Moment gewartet! Danke, lieber Benno Rech, dass Sie mir dieses sommerliche Gedicht geschickt haben.


Pfefferminze im Garten

Im Wolkenfall wird die Pfefferminze
zu Tee gekocht
im warmen Himmelswasser.
Den Ausrufer, daß ich ihn einatmen soll,
hör ich im Garten unterm Kirschbaum.
Es ist, du errätst es leicht,
der Regenpfeifer.

Ich brauch kein Glas
und keinen Zucker,
nur den offnen Mund und Atemzüge
und Durst nach heißem Juliwurf
von Sommerglut
den Morgen lang.

So gesehen,
ist es ein fliegender Trank
für Kinder
und ganz feine Herrn und Damen.
Der Regen ist ein guter Koch,
er opfert sich ja auf,
verlangt kein Geld,
verschwindet unbedankt
ganz vornehm
in mir selbst.

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