Montag, 23. Februar 2009

Gedicht des Tages - Peter Ettl

Gestern mailte mir Peter Ettl, er müsse im Augenblick dreimal täglich Schnee schippen. Er habe derart genug von diesem Winter. Ich alter Wetterfrosch studiere seit einiger Zeit täglich die Wetterkarten in der Hoffnung am nächsten Wochenende ein wenig wandern zu können. Siehe da, wir im Südwesten könnten Glück haben.
Ansonsten hat es der Lyriker Peter Ettl gut erwischt, denn seine Frau ist Verlegerin - er muss sich nicht mit Verlegern herum schlagen. Normalerweise gilt es als zumindest merkwürdig, wenn ein Lyriker im Verlag seiner Frau (spezialisiert unter anderem auf Pferdebücher) seine Gedichtbände veröffentlicht. Im Falle von Peter Ettl ist es anders. Mit seinen Gedichten spielt er in der ersten Liga mit, spätestens seit der in den "Großen Conrady" aufgenommen wurde. Wie übrigens viele Autoren aus dem "Hinterland" (um auf Theo Breuer anzuspielen) - Peter lebt im bayerischen Marklhofen. Und nicht zuletzt gibt Peter Ettl eine kleine Lyrik-Reihe heraus, in der so illustre Autoren wie Axel Kutsch, Theo Breuer oder Frank Milautzcki schmale Bändchen in limitierter Auflage von 100 Exemplaren publiziert haben. Die "Silver Horse Edition" ist also jedem Lyrik-Liebhaber ans Herz zu legen. Matthias Hagedorn hat die Reihe in dem Verlag mit dem tierischen Namen unter anderem beim Magazin Jetzt der Süddeutschen Zeitung gewürdigt, nachzulesen hier.

Peter Ettl hat mir ein unveröffentlichtes Frühlingsgedicht zur Verfügung gestellt. Merci! Es ist ein schlichtes, lakonisches und federleicht philosophisches Gedicht.
Dann hoffen wir doch mit ihm, dass er nicht mehr allzuviel Schnee schippen muss:


Woher Wohin Wozu

wie kann man sich in all
den schluchten und spalten
des daseins noch zurechtfinden
kierkegaard und schopenhauer
nietzsche und hegel und all ihre
vor und mit und nachdenker
wo ziehen sie uns hin in welchen
abgründen menschlichen seins
spiegelt sich der schöpfungsgedanke
wider? wohin gehen wir? Wozu dies alles?
zum mausen gehe ich sagt die kleine
katze denn wenn sie eines weiß dann dies:
der schnee auf den feldern
ist seit heute auf der flucht

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