Donnerstag, 19. Februar 2009

Gedicht des Tages - Swantje Lichtenstein


Kürzlich, an zwei der wenigen schönen Tage im Februar, waren Swantje Lichtenstein und Claudia Gabler bei uns zu Besuch. Die beiden Mädels aus dem Erdgeschoss (5 und 7 Jahre alt) haben penibel beobachtet, dass ich mehrfach mit "zwei Studentinnen" ins Haus und aus dem Haus bin und meldeten es ihrer Mutter mit Auftrag, es an meine Frau Anja weiterzumelden.
Nun, Swantje Lichtenstein hat als Professorin in Düsseldorf selbst schon Studentinnen. Wir vier hatten jedenfalls zwei schöne Tage mit Diskussionen über Lyrik, lästern, flanieren, Museumsbesuch und Mittagessen beim Italiener um die Ecke. Swantje fotografierte die erste singende Amsel auf dem Karlsruher Ludwigsplatz oder Euro-Taler im Schaufenster einer Konditorei. Dass Swantje zu den intelligentesten Menschen gehört, die ich kenne, merkten Claudia, Anja und ich unter anderem daran, dass sie schon zum Frühstück einen druckreifen Vortrag hielt. "Ich kann mitten in der Nacht aufstehen und über Hegel referieren" - dieses Zitat werde ich nicht vergessen, hoffe zwar dass mir Swantje noch viele interessante Vorträge hält, allerdings nicht mitten in der Nacht.
Ihre Lyrik, gerade ihre ältere, ist für mich wie für viele andere Leser oft irritierend. Ich arbeite gerne mit ihren Texten, lese sie am Stück, zerlege sie in Teile oder suche Zitate, Fragmente, die mich bei meinem eigenen Schreiben weiterbringen. Die Gedichte entsprechen Swantjes Denken und Wahrnehmen, so wie ich sie kennengelernt habe. Einerseits detailreich ausschweifend, andererseits kleine Wirklichkeitsmomente fotografisch festhaltend und "sampelnd". Vielleicht kann man ihre Gedichte dann besser "verstehen", wenn man mit den komplexen Strukturen der zeitgenössischen Medienwelt vertraut ist, wenn man sich auf dichte und flüchtige Assoziationen einläßt.
Danke, liebe Swantje, für das unveröffentlichte Gedicht aus einem Zyklus mit dem Titel "Horae". Ich freue mich schon auf unser nächstes Treffen in Lörrach bei Claudia zum Wandern im Schwarzwald. Wenn dann endlich der Frühling da sein sollte!



er hält die Hand darüber, schaufelt Licht in den Schatten.
Gepachtetes Land an den menschlichen Bergen
tränt und tropft die Luft aus den Poren meiner Haut
die Weichheit sinnt auf die Fahne von Transistrien.

Der Fahrer, der uns zu den Gräbern bringt
mit der Hand strich er sich das Haar aus der Stirn,
den Kopf schüttelte er nach und schwankte auf den
hohen Absätzen an seinen glattgebügelten Kleidern hinab.

Der erste Berg erfüllt von Gräbern, im zweiten Stock
steht der Stein schief, wächst Gras über die Bücher und Hände,
ich trete in tiefe Spalten dazwischen, hangle mich an den Gittern
schwinge aufs Nächste mich und gehe darunter verloren.


Links:
Swali beim Poetenladen
Frau Professor Lichtenstein

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