Sonntag, 1. Februar 2009

Nur ein toter Dichter ist ein guter Dichter

Weil ich nie einen Bestseller schreiben werde, darf ich fluchen und schimpfen, was das Zeug hält!
Was ist nur aus Jürgen Lodemanns Idee der Bestenliste geworden! Gelegentlich erzählte er mir bei Zugfahrten von Stuttgart nach Karlsruhe (er ist ja mein "Chef" als Landesvorsitzender des VS in Baden-Württemberg, ich sein Stellvertreter Nummer zwo) davon, was auch in Wikipedia über die Bestenliste des SWR zu lesen ist:

"Gegründet wurde die Liste 1975 vom Kritiker und Schriftsteller Jürgen Lodemann, der sie ausdrücklich als Gegenliste gegen Bestsellerlisten konzipiert hat."

Und welche Bücher finden wir dort allmonatlich? Die Bestseller und Schmonzetten der Großdichter! Im Februar 2009 u.a. Thomas Bernhard, Daniel Kehlmann, Wilhelm Genazino, Marion Poschmann (mit ihrer wunderbaren Hundenovelle), Philip Roth. In der Liste findet sich immerhin ein Gedichtband, und zwar selbstverständlich von Nico Bleutge.

Eine der Jurorinnen sagte mir einmal, Gedichte lese sie nicht. Vergessen wir also die Bestenliste, wenn wir wirkliche Entdeckungen machen wollen (Nico brauchen wir wirklich nicht mehr entdecken).

Ich tröste mich damit, dass die Bestenliste sowieso kaum einen Leser interessiert. Rudolf Stirn, früh verstorbener Verleger des Alkyon-Verlages, hatte zweimal eine Nummer eins in der Bestenliste, und zwar mit seinem russischen Autor Wjatscheslaw Kuprijanow. Das erste Mal, so erinnerte er sich, habe er ein paar Dutzend Bestellungen bekommen, beim zweiten Mal (es war wohl Anfang des Jahrtausends) allenfalls eine Handvoll.

Lodemann erzählte, früher, ja früher, habe eine Rezension im Spiegel gut 5000 verkaufte Exemplare gebracht, Markus Orths meinte kürzlich, nur eine Besprechung in einer Frauenzeitschrift wie "Brigitte" bringe nennenswerte Verkaufszahlen. Aber davon kann ich als Lyriker sowieso nur träumen. 5000 Gesamtauflage in meinem ganzen Leben? Vermessen, die Vorstellung.

Nur ein toter Dichter ist ein guter Dichter, und so hat sich die quicklebendige Jagoda Marinic (die ich als Autorin einigermaßen schätze, siehe Rezension in Literaturwelt) buchstäblich ausgekotzt über ihre Erfahrungen mit dem Literaturbetrieb, insbesondere mit Verlegern.

Hier gehts zu der wunderbaren Polemik in der TAZ.

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