Sonntag, 15. Februar 2009

Poetologisches - ein verworfenes Gedicht

Beim Blättern in meinem Notizbuch fand ich ein Gedicht, entstanden am 21. Februar 2005, das ich verworfen und nicht in meinen Band "Drahtamseln" mit aufgenommen habe. Ich möchte es zur Diskussion stellen, vielleicht wagt ja der eine oder die andere einen Kommentar. Verworfen habe ich diese Art Liebesgedicht, weil es mir zu klischeehaft erschien, was ich heute wieder in Zweifel ziehe.


verpasse mich
bleibe vorspiel

du ziehst dich
zu neugierig

ob du dir
ähnlich wirst

1 Kommentar:

Bess Dreyer hat gesagt…

Der Part des Ich:
An sich selbst vorbeigehen, nicht innehalten. Nicht bei sich sein, nicht bei sich bleiben.
Ein Bleiben, Verharren geschieht nur im Beginn. Einer bleibt stecken. Etwas ist unfertig, wird nicht vollendet. Die Liebe? Ewiger Anfang. Vorspiel, Einleitung.
Nein, auf die Liebe komme ich hier nur, weil der verworfene Text als Liebesgedicht vorgestellt wird.

Da ist ein Du, gesehen mit den Augen des Ich. Gesehen mit den Augen eines Akteurs, der nach dem Prolog den Vorhang nicht zum ganzen Stück öffnet.

Das Du scheint auch auf einer Bühne. Nehmen wir an, es ist dasselbe Stück, in dem Ich und Du zugange sind. Das Du benutzt etwas, um den Zugang in dieser Interaktion zu schließen. Ein Vorhang? Du ziehst dich zu. Verdeckst dich. Es könnten auch Wolken über das Gesicht gehen. Ein Rückzug.

Das Ich deutet. Neugierig sei das Du, ob es mit dem Dichtmachen, dem Verbergen eine Möglichkeit gefunden hat, authentisch zu werden.

Einer kommt über den ersten Schritt nicht hinaus, eine spielt ein Spiel, zieht sich zurück, um Wirklichkeit zu entdecken.

Ein kurzes Gedicht, knappe Aussagen. Scheint mir damit formal stimmig zu Zweien, die nicht in Kommunikation treten. Beobachter sind und bleiben.

Liebe – kann ich nirgends entdecken.
Warum Liebesgedicht?
Gibt es eine Titelzeile, die Bestand des Textes und erklärend wäre?