Sonntag, 29. März 2009

Gedicht des Tages - Gerd Sonntag

Gelegentlich habe ich keine Lust auf Gedichte. Sie widern mich regelrecht an, und zwar sowohl meine eigenen als auch die anderer. Vor allem dann, wenn ich zu viele Gedichte gelesen, zu viele Gedichtbände bekommen habe. Wenn ich also mal ein paar Tage lang nichts blogge, kann das daran liegen, dass ich gerade meine Lyrik-Allergie habe.
Zu diesem Phänomen passt ganz gut das folgende Gedicht, das mir Andreas Noga geschickt hat. Es ist von dem weithin unbekannten Lyriker Gerd Sonntag. Weiterführende Links im Anschluss an das Gedicht.


Nach den Gedichten

Als Ihre Einflüsterungen mir lästig wurden,
verging die Lust zu lauschen noch lange nicht.

Es war ein allmählicher Prozeß. Hinterher
hatte ich Sie nie gemocht. Sie schweigen?

Das halbe Leben mit Ihnen zugebracht, Ihren
verqueren Metaphern, bröckelnden Enjambements

Echolalien, die wer weiß wen nachäfften,
eventuell mich. Schweigen Sie weiter, nur zu.

Gar nicht zu reden von Stapeln lilienweißer Seiten
unter der einen mit den olympischen Weinrändern,

das ist das beste. Siehe, der Schreibtisch,
leergefegt wie ein Altar. Amen, sage ich mir,

warte auf die Erleichterung nach der Bürde.
Was werden Sie jetzt ohne mich machen?

Wenn Sie mich fragen, mein Engel,
der Sie statt meiner so leichthin verschwinden,

eingebildet oder nicht, grußlos, ohne Bedauern,
etwas berührt mich: Ich fühle nichts.



Gerd Sonntag bei Wikipedia
Gerd Sonntag bei Fixpoetry

1 Kommentar:

Andrew Shields hat gesagt…

Er hatte gerade ein Gedicht in dem Lyrikkalendar von Shafiq Naz (gestern? vor einigen Tagen?).