Mittwoch, 18. März 2009

Gedicht des Tages - Peter Ettl

Hier im Westen der Republik ist es nun doch etwas frühlingshafter geworden. Die Krokusse sind in voller Blüte, die Narzissen und Forsythienblüten öffnen sich. Liebe Leser: Schickt mir doch bitte reichlich Frühlingsgedichte, denn dann brauche ich mir nichts auszudenken, schließlich will ich an die frische Luft, laufen und radeln, damit ich im Sommer für die Dreitausender des Engadins fit bin. Außerdem will ich meinen ersten Viertausender machen, vielleicht das Hintere Fiescherhorn in den Berner Alpen, inclusive einem Marsch über eine der größten Eisflächen Europas, nämlich das Ewigschneefeld. Einstweilen muss ich noch von den Bergen träumen, derweil in der Ferne der Schnee auf der 1164 m hohen Hornisgrinde glitzert - von meinem Schreibtisch aus im 4. OG sehe ich tief in den Schwarzwald.

Vom Gebirge ans Meer. Genauer nach Kreta. Peter Ettl sandte mir eine Art Frühlingsgedicht, das im dortigen Matala angesiedelt ist. Ich erinnere mich an einen Urlaub dort vor 21 Jahren und an die berühmten Höhlen von Matala, in denen es einfach nur bestialisch nach Urin stank. Und heiß war es, sagenhaft heiß.


Matala


ach joni
inzwischen
gehen
wir alle am stock
und der wind
kommt von
überallher
das mermaid-cafe
vergangenheit die
feuerschrift am ufer
blass und in den kneipen
lauern trauerweiber
einem unfassbaren
frühling auf

1 Kommentar:

Manfred Böckl hat gesagt…

Die Lyrik von Peter Ettl ist immer wieder ein Genuß. So grundehrlich, sprachlich so treffend; bei aller Skepsis gegenüber dem Treiben der Welt doch so voller Tiefe.
Man zieht, oft "unbequem" gefordert, stets inneren Gewinn aus Peter Ettls Worten; hinterfragt das Oberflächliche, dringt vor zum Wesentlichen - und vermag sich dadurch von viel Nichtswürdigem zu befreien.
Manfred Böckl