Dienstag, 7. April 2009

Gedicht des Tages - Ulrich Koch

Vor einer längeren Osterpause will ich noch ein neues Gedicht von Ulrich Koch posten, zu dem ich schon im Dezember etwas erzählt habe (siehe hier). Mehr von und über Ulrich Koch im Poetenladen.
Übrigens danke an alle, die mir Gedichte gesandt haben. Bitte nicht böse sein, wenn ich nicht antworte und einigen Kollegen keine Absagen schreibe, es waren doch relativ viele Gedichte.


Samstagvormittag

So still ist es: die Bäume werfen
Katzenschatten.
Räuberleiter des Lichts:
Staubteilchen steigen.
Im Mund ist es Morgen bis zum Mittagsschlaf.
Klopfzeichen von Teppich zu Teppich.
Erdenleicht vom Vorabend:
die ersten Schritte der Säufer,
während vereinzelt Gänsefedern
aus aufgeschüttelten Kissen
in die Pfützen schneien.
Moos auf den Satellitenschüsseln,
wie Watte im Ohr.
Fahrräder, vom Rost gemalt,
von alten Zahnbürsten geputzt.
Das Volkslied im Hörgerät.
Der Augenaufschlag der Küchenuhr.
Mit ausgebreiteten Armen liegen
bäuchlings die Schatten
der Strommasten auf den Feldern.
Die Sonne schiebt das Essen
unter jeder Tür hindurch.
Das Gehupe auf der Straße:
eine Wagenkolonne,
an der Spitze das Brautpaar
mit dem Trauerkranz
auf der Motorhaube.
Jetzt steigen sie aus:
ein Schatten, der schleicht,
ein Schritt, erdenleicht.

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