Freitag, 17. April 2009

Gedicht des Tages - Werner Dürrson


Heute vor einem Jahr starb Werner Dürrson. Mit seiner Nichte, welche seine Homepage pflegt, maile ich regelmäßig. Gestern schickte sie mir ein unveröffentlichtes Gedicht zur persönlichen Lektüre. Wunderbar leichte, virtuose Haikus! Von Dürrson läßt sich Formbewusstsein lernen und Disziplin.
Obwohl ich wusste, dass Werner Dürrson schwer krank war, war ich von der Todesnachricht (am zehnten Hochzeitstag meiner Frau und mir!) schockiert. Seine Gesammelten Werke nehme ich immer wieder gerne aus dem Regal, sie gehören zum Bestand der Bücher, die ich auf eine einsame Berghütte mitnehmen würde. Ich bin mir sicher, dass Werner Dürrsons Werk, auch seine großartige Romanbiografie, die kurz vor seinem Tod erschien, vor der Literaturgeschichte Bestand haben wird (ebenso wie der im Augenblick leider etwas vergessene Wolfgang Hildesheimer).
Nicht vergessen werde ich übrigens, wie ich als Jürgen Lodemanns Stellvertreter (VS-Vorsitz in BaWü) mit weichen Knien an Dürrsons Sarg stand und einige Sätze sagen musste. Der kleine Dichter am Sarg eines Großen, den ich auch schon bald zwanzig Jahre kannte.



ETÜDE


Denn Alles gefällt jetzt,
Einfältiges aber am meisten.

(Hölderlin)


Denn schön war viel zu wenig.
Alles harsch im Licht Der Baum

gefällt, zersägte Schatten. Die Gewässer
jetzt beatmet, schäumen bunt. Sogar

Einfältiges, Gesicht zerfressen
aber grinst. Die Halde schwelt. Wohin

am Abend. Nachtbedürftiger als die
meisten. Bleibt zu träumen. Fort.



(mit freundlicher Genehmigung der Erben)

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