Montag, 20. April 2009

Stillleben mit Mopedgeknatter...

So überschreibt Karl-Heinz Ott seine Besprechung in der NZZ und der "Badischen Zeitung" vom letzten Samstag zu Walle Sayers Prosaminiaturen, die kürzlich unter dem Titel "Kerngehäuse" erschienen sind. Seine "Gedichte und Prosaminiaturen sind zu leise, als dass sie großes Aufsehen erregen könnten", schreibt der Kritiker, "fern jeder epischen Ausführlichkeit leben sie vom bloßen Benennen dessen, was vor Augen liegt, nur dass es sich dabei um Dinge handelt, die trotz ihrer Sichtbarkeit erst wahrgenommen werden müssen, und zwar deshalb, weil sie zu alltäglich sind, um eine besondere Rolle zu spielen." Ott verweist auf den Maler Morandi und dessen Stillleben von Vasen und damit auch auf die Tradition, die Walle Sayer fortschreibt - Walter Helmut Fritz zitiert Morandi in einem seiner bekanntesten Gedichte ("... ich habe das Glück gehabt, ein ereignisloses Leben zu führen.").
"Es sind Momentaufnahmen", so schreibt der Rezensent weiter, "die paradoxerweise just dadurch, dass sie von reiner Gegenwart handeln, die Aura des Vergangenen besitzen. In Kirchenbänke eingeritzte Mädchennamen, Lindenbäume, wie man sie von Schubert kennt, aber auch ein Mopedgeknatter, das schon nicht mehr nach einem heutigen Geräusch klingt – all das gerät hier zu Inbildern eines Daseins, wie man es eher mit Kindheitserinnerungen als jetzigen Verhältnissen verbindet."

Die komplette Rezension ist hier nachzulesen (BZ) oder aber in der NZZ

Walle Sayers Lesungstermine finden sich auf der Website seines Verlages.

Glückwunsch, lieber Walle, zu dieser Besprechung. Ehre, wem Ehre gebührt!

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