Montag, 18. Mai 2009

70. Geburtstag Jürgen-Peter Stössel

Bescheidene Freude

Das Hundsgras zum Beispiel
ich fand es zuerst im Brockhaus
braucht seinen Namen nicht

Die Hand des Holunders
zärtlich gefiedert berührt mich der Duft
wenn ich ihm nah komme
und könnte doch fern sein wie ein Insekt

Der Zungenkuss wilder Erdbeeren
die sich gleichgültig auch Schnecken
hingeben oder verkrusten
auf einer Lichtung

Schön dass es nichts zu sagen hat
ob ich schön finde
was uns schweigend erträgt


In den letzten Jahren hat sich zwischen dem Freiburger Lyriker Jürgen-Peter Stössel und mir eine kleine Email-Korrespondenz ergeben, die ich sehr zu schätzen gelernt habe. Begonnen hat sie im Jahr 2002 oder 2003, kurz nachdem Stössel eine schwere Krebserkrankung überstanden und seine Krankengedichte unter dem Titel "Flug zur Erde" im Selbstverlag publiziert hat, kurz nachdem mein Vater - ebenso wie Stössel Jahrgang 1939 - gestorben war.
Rechtzeitig zu seinem 70. Geburtstag ist bei dem altehrwürdigen, aber leider fast vergessenen, Verlag Langewiesche-Brandt ein Auswahlband mit den Gedichten von Stössel erschienen, und zwar unter dem Titel "Gesternmorgenschnee". Die Sammlung umfasst Gedichte aus den letzten fast vierzig Jahren. Auch das obenstehende Gedicht ist "Gesternmorgenschnee" entnommen.

Herzlichen Glückwunsch, lieber Jürgen, lieber Peter, je nachdem wie ich Dich heute nennen will, zu Deinem 70. Mai.

Ein weiterer Blog-Eintrag zu Jürgen-Peter Stössel findet sich hier!

1 Kommentar:

Carola Horstmann hat gesagt…

Jürgen-Peter Stössels Gedichte hinterlassen Spuren, nicht nur im Schnee von gestern, heute und morgen.
Bleibt zu hoffen, dass die neue Lesereihe "Freiburger Andruck" Jürgen-Peter Stössel in Freiburg endlich ein angemessenes Forum bietet.
Carola Horstmann, Denzlingen