Dienstag, 26. Mai 2009

Gedicht des Tages - Mathias Jeschke

Das Meer und seine Landschaft ist für mich eine fremde Welt, Wasser nicht mein Element. Mathias Jeschke (Mathias ohne zweites "t" zu schreiben, fällt mir schwer) siedelt viele seiner Gedichte am Meer an, und zwar von Anbeginn an. Seine Gedichtbände verfolge ich seit dem ersten Band beim Alkyon-Verlag, der leider nach dem frühen Tod von Rudolf Stirn nicht mehr existiert - diesem eigenwilligen Verleger haben übrigens viele Autoren, vor allem aus Baden-Württemberg, ihre ersten Publikationen zu verdanken.
Jeschkes letzter Gedichtband "Boot und Tier" erschien beim Rimbaud-Verlag, und ich hatte das Vergnügen, diesen zu lektorieren. Ich meine mich zu erinnern, dass ich nicht allzuviel anzumerken hatte, wie ich überhaupt finde, dass Jeschkes Lyrik an Qualität und eigenständiger Bildhaftigkeit im Laufe der Jahre gewonnen hat. Mathias Jeschke sandte mir sechs neue Gedichte. Danke! Ausgewählt habe ich ein - wie ich finde - typisches Naturgedicht, das zur Jahreszeit passt.


Gartenhandbuch

Was blüht und verblüht: Rosen
in den Farben kolorierter Stiche,
die Dachbodenhitze ausatmen.

Der Parabolspiegel der Teetasse,
die im Regen vergessene Zeitung,
was von der Wirklichkeit sich auffaltet.

Was auffliegt, zweiblättrig:
Admiral und Großer Mohrenfalter,
vor üppiger Laune torkelnd.

Was Untergründiges weckt:
Wanzen, afrikanische Kampfschilde,
weite Wege, braune Erde, Feuer.

Was schmerzt: Der schaurige Biß
der Regenbremse und die Stimme
im Zorn, der sich nicht zäumen läßt.

Was verborgen bleibt, wenn die Münze
Mond durch einen Wolkenschlitz fällt
und das Nachtprogramm startet.

In der Laube der umwucherte Torso
des Gekreuzigten ist ein Scharnier,
das nachts leise singt im Wind.


Näheres über Mathias Jeschke im Poetenladen.

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