Freitag, 8. Mai 2009

Marion Poschmann las in Karlsruhe

Heute in den Badischen Neuesten Nachrichten
(ein Beitrag von Ute Eppinger, herzlichen Dank an die Autorin für die Überlassung des Artikels!)

„Hundenovelle“ im Blauen Salon der HfG

Marion Poschmann liest aus ihrem melancholischen Meisterwerk

Brachland: Ziellos streift die Frau durch die aufgegebene Industrielandschaft, lässt sich vor einer verrammelten Baracke nieder. Brachland, das Spiegelbild der seelischen Verwahrlosung und Schwermut der Ich-Erzählerin: „Stadtbrache, vages Terrain. Nichtort, wo jederzeit alles möglich war und nie etwas geschah. Ruderalflora siedelte sich an, erhob sich an windigen Stellen, auf offenen Flächen, in Übergangsgegenden.“

Aus ihrer euphorisch rezensierten „Hundenovelle“ las Autorin Marion Poschmann im Blauen Salon der Hochschule für Gestaltung. Ausdrucksvoll und der Ernsthaftigkeit und Eleganz ihrer Prosa angemessen trägt Poschmann vor, was ihrer namenlosen Protagonistin, im Laufe eines heißen Sommers Unerhörtes, leicht Kafkaesk anmutendes, widerfährt.

Ein großer, schwarzer, verwahrloster Hund taucht aus dem Nichts auf und heftet sich an ihre Fersen. Folgt ihr in die stille Stadtwohnung, will nicht weichen, okkupiert wie Höllenhund Zerberus oder Fausts kluger schwarzer Pudel ihr Leben. Poschmann gelingen in ihrer von feiner Melancholie durchzogenen Novelle eindringliche, manchmal komische Momentaufnahmen einer Gesellschaft, die immer mehr vereinsamt.

Der strengen Form der Novelle entsprechend steuert die Erzählung auf einen ergreifend traurigen Endpunkt zu: Ein letzter, radikaler Schritt in die Einsamkeit der Ich-Erzählerin.

Marion Poschmann, 1969 in Essen geboren und heute in Berlin lebend, schreibt Lyrik und Prosa.
Nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Slawistik in Bonn und Berlin begann sie mit der Lehrtätigkeit im deutsch-polnischen Grenzprojekt "Spotkanie". Ihre geplante Dissertation über Friederike Mayröcker und Francis Bacon gab sie zugunsten ihrer literarischen Tätigkeit auf.

2002 erschien ihr Romandebüt „Baden bei Gewitter“, kurz darauf veröffentlichte sie den Gedichtband „Verschlossene Kammern“. Im September 2004 erschien ihr von der Kritik enthusiastisch aufgenommener Gedichtband „Grund zu Schafen“. Für ihren hoch gelobten „Schwarzweißroman“ (2005) wurde sie mit dem Literaturpreis Ruhrgebiet 2005 und dem Literaturförderpreis der Stadt Meersburg 2006 ausgezeichnet.

Zur Freude der Zuhörer liest Poschmann nicht nur aus drei Kapiteln ihrer Novelle, sie steuert auch noch ein paar Gedichte aus ihrem gelungenen Lyrikband „Grund zu Schafen“ bei. Der Mensch im Verhältnis zu Natur und bildender Kunst und zu sich selbst sind zentrale Themen ihres Schreibens. So erweist sie mit „Kleines Rasenstück“ Albrecht Dürer eine lichtdurchflutete Reverenz. Auch in „Hirschübung“ oder „Windbarriere“ liegt ihre poetische Stärke in der Verbindung von Konkretem und Abstraktem, von Begriffen und Bildern. Da hätte die Lesung gerne noch länger dauern dürfen.

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