Donnerstag, 25. Juni 2009

Christoph Wilhelm Aigner - Interview im Poetenladen

Im Poetenladen findet sich heute ein Interview mit Christoph Wilhelm Aigner, ein Dichter, den ich sehr schätze. Mit einigen seiner poetologischen Anmerkungen spricht er mir sehr aus dem Herzen. Von seinen Hieben gegen Marcel Reich-Ranicki ganz zu schweigen.
So sagt Aigner unter anderem:
"Ein Gedicht entsteht ja nicht in dem Moment, in dem man es schreibt, sondern es kommt von weit her und verdichtet sich dann, wenn der Boden reif ist (...)
Ich sage, ein Gedicht besteht nicht aus Wörtern. Das meine ich in dem Sinn, in dem auch ein Mensch nicht aus seinem sichtbaren Körper besteht. Es ist nur die Oberfläche, die man sieht. In ihm gibt es eine ganz andere Welt, etwas viel Größeres und Weiteres, auch ein Gattungsgedächtnis von Millionen Jahren her (...)
Man muss auch nicht ununterbrochen schreiben. Man braucht einmal Pausen, zum Wiederauffüllen. Reines Trinkwasser, richtig reines Trinkwasser, angereichert mit Mineralien, braucht sehr lange, bis es durch einen Berg sickert und sich in einer Höhle sammelt (...)
Bei Gedichten dagegen ist es ganz anders, man kann sie nicht erzwingen. Man kann kein Gedicht schreiben, indem man sich jeden Tag mit größter Disziplin an den Schreibtisch setzt. Ein Gedichtband entsteht über vier, fünf Jahre, manche Gedichte sind schon in der Kindheit entstanden, und man wusste es nicht. Man kann sie nicht konstru­ieren, sondern sie werden irgendwie geboren, und dann hat man vielleicht als Erwachsener noch ein bisschen etwas zu seiner Genese beigetragen (...)
Ich habe lieber die Essenz von drei Zeilen, die sich vielleicht nicht sofort erschließen, als dass der Autor mir erzählend genau sagt, was ich denken soll. Was mich langweilt, ist Ge­schwät­zig­keit. Und ich habe den Verdacht, dass es leicht ins Ge­schwät­zi­ge abrutscht, wenn jemand sehr lang und sehr viel über etwas spricht. Dabei heraus kommt nämlich Prosa mit gebro­chenen Beinen."

Weiter spricht Kollege Aigner zu den Themen "Kunst und Kitsch" oder zu "Reim und Form". Außerdem: Von den Jungen "werden 99 Prozent das bedienen, was Erfolg verspricht. Und irgendwo werden noch ein paar Deppen sitzen und glauben, es wäre besser, das nicht zu tun."
Das ganze Interview findet sich hier!

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