Donnerstag, 4. Juni 2009

Gedicht des Tages - Friedrich Schlegel?

Das heutige Gedicht des Tages stammt ebenfalls von einem toten Dichter. Frank Milautzcki mailte es mir gestern nach meiner Aufforderung, "Schweinkram" zu senden samt folgendem Kommentar:

"Das folgende Gedicht stammt.... – nun, es stammt vielleicht nicht. Der Verfasser leugnete jedenfalls seine Vaterschaft, doch man hatte ihn im begründeten Verdacht und diktierte ihm alle Leugnungen ignorierend sogar das Entstehungsjahr auf 1799. Friedrich Schlegel (1772-1829), Konzepter der progressiven Universalpoesie, soll dereinst zehn obszöne Sonette gedichtet haben, die passend zu seinem damals gerade entstehenden Liebesroman „Lucinde“ das geschlechtliche Leben aufgriffen und lyrisch direkter bearbeiteten, was prosaisch nicht sagbar war.
Bis heute begegnen diese zehn Sonette dem kundigen Sammler in Form zahlreicher Privatdrucke und exklusiver Künstlereditionen immer wieder. Und immer ist Friedrich Schlegel als Autor geführt, obwohl ein letztgültiger Nachweis noch nicht geführt werden konnte."

Friedrich Schlegel
das zweite aus „Zehn Sonette“ (1799)


Du meine Hand bist mehr als alle Weiber,
Du bist stets da, wie keine Frau erprobt,
Du hast noch nie in Eifersucht getobt,
Und bist auch nie zu weit, du enger Reiber.

Ovid, mein Lehrer weiland, hat dich recht gelobt,
Denn du verbirgst in dir ja alle Leiber,
die ich mir Wünsche. Kühler Glutvertreiber,
dir hab ich mich für immer anverlobt.

ich stehe stolz mit dir im Raume
und streichle meine bräunlichrote Glans;
schon quirlt sich weiß der Saft zum Schaume.

so zieh ich aus Erfahrung die Bilanz:
die Zweiheit freut mich nur im Wollusttraume,
sonst paart sich meine faust mit meinem Schwanz.

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