Mittwoch, 24. Juni 2009

Gedicht des Tages - Hellmuth Opitz

Gestern mailte mir Werner Bliss - der zweite Dichter im Schwarzwalddorf Hausach - dass auch er gelegentlich seiner Frau Gedichte von Hellmuth Opitz vorliest. Mir scheint, Opitz ist ein Frauendichter, wer weiß. Jedenfalls rief ich vor einigen Tagen dazu auf, erotische Gedichte einzusenden. Die Resonanz fiel verhalten aus, es ist schwierig genug, gute erotische Lyrik zu schreiben. Hellmuth Opitz mailte eines. Danke!


Vom Kommen. Und Gehen

Nie ein Hotelzimmer zusammengeschrien
wenn es soweit war
nie über Tische und Bänke, nicht wahr
nie auch nur die kleinste Anfeuerung
am Hals des Jockeys
und nie
nie
nie
irgendeinem hergelaufenen Liebhaber
den Rücken zerkratzt, nie etwas,
das er hätte vorzeigen können,
die Rallyestreifen des Aufreißers.
Stattdessen nur dieses
kleine
scharfe
Fältchen
zwischen den Brauen
geschlossener Augen, dieses
Ausrufezeichen auf der Stirn,
weil sich dahinter Bedeutendes
vorbereitete und wenn es
wirklich
soweit
war
nur zwei, drei kurze Klagelaute,
die aufflatterten aus der Kehle,
um ihre Flügel sofort wieder zu falten.
Nein, kein mimischer Aufwand
für die fünf Sekunden
Außer
sich
sein.

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