Sonntag, 9. August 2009

Gedicht des Tages - Christoph Leisten

Er gehört definitiv zu meinen Lieblingsdichtern, der Aachener Christoph Leisten, und er ist auch einer der wenigen, die sich für Kollegen engagieren, gibt er doch die Zeitschrift "Zeichen & Wunder" mit heraus und ist Organisator der "Tage der Poesie" in Würselen. Mit seinem viel gelobten Prosaband "Marrakesch, Djemaa el Fna" hat er sogar einen kleineren kommerziellen Erfolg erzielt.
Um so mehr freut es mich, dass Christoph zum "9. Internationalen Literaturfestival Berlin" (9. bis 19.September 2009) eingeladen ist: Es ist wohl mit weit über 200 Veranstaltungen und mehr als 30000 Besuchern eines der größten Literatur-Festivals der Welt, sehr international angelegt und vor allen Dingen erfreulich wenig dem schnelllebigen "Mainstream" verhaftet. Zusammen mit Daniela Danz, Nico Bleutge und Volker Sielaff ist Christoph Leisten eingeladen in der Sparte "new german poetry books". Nähere Infos auf der Website des Festivals. Christoph hat auch eine für einen Schriftsteller ganz ordentliche Website (hier klicken!). Viele sind ja fürchterlich überladen (es gibt Websites, auf welchen der Autor jede kleinste Veröffentlichung und jeden 50-Euro-Literaturpreis notiert - als ob das irgend jemanden interessieren würde. Das nur am Rande.)

Christoph hat mir einige neue Gedichte gesandt, von denen "Werkspuren" fast unveröffentlicht ist. Es ist nur in einer der wenigen Exemplare von Frank Milautzckis bibliophiler Ausgabe von "Das zweite Bein" zu finden (Infos: hier klicken"). Danke, lieber Christoph, für das Gedicht!


WERKSPUREN am postament eines tages,
dessen torso aus dem stein herausgeschlagen
scheint, während der abend schon

ins hochrelief verläuft: ein spiel zwischen
schatten und licht. so stellt jede skulptur
einen raum hin, aber wie umgehen

mit dem körper? non-finito, denkst du noch,
oder: die glieder sind falsch. doch alle tage
sind torsi, zerrissen zwischen werk

und wunsch; glaub mir, keine spur ist zu
verschlagen. jeder handgriff gräbt der zeit
ihre zeichen ab, gewinnt dem tag ein werk,

in dessen spuren eine andre impression erwacht.

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