Montag, 3. August 2009

Gedicht des Tags - Jürgen Peter Stössel


Auch der Freiburger Lyriker Jürgen Peter Stössel ist gerne in den Bergen unterwegs. Er schrieb mir nicht nur, dass es ebenfalls ihn wieder ins Engadin ziehe. Natürlich ist mir bewusst, wieviele literarische Spuren dort zu verfolgen sind. Immerhin wandelten meine Frau und ich auf den Spuren von Wolfgang Hildesheimer in Poschiavo. Einige seiner Collagen hängen in einer Art Sitzungszimmer im dortigen Kloster, die man auf Anfrage besichtigen kann. Wir mussten einen Umweg über das Altenheim eine Straße weiter nehmen; die Schwestern palaverten ein wenig auf Italienisch und schlossen uns schließlich den Raum auf, durch den wir mit Filzpantoffeln gleiten durften, vorbei an den Collagen des Meisters. Jürgen Peter Stössel erwähnte Nietzsche und erinnerte daran, dass man keinem Gedanken trauen solle, der nicht im Freien gefasst wurde. Da ist etwas dran!
Ein Nietzsche-Zitat, das er mir mailte, hat es mir besonders angetan: "Das Eis ist nahe, die Einsamkeit ungeheuer - aber wie ruhig alle Dinge im Licht liegen. Philosophie... ist das freiwillige Üben im Eis und Hochgebirge, das Aufsuchen alles Fremden und Fragwürdigem im Dasein..."
Jürgen Peter Stössel mailte mir ein kleines Gedicht, das in die Jahreszeit passt und mich an die Heudüfte des Engadins erinnert. Merci vielmals dafür!



Grassilage


Ochsenkähne heuhoch
voll Sommerferienfracht
nicht mehr gelöscht

Die Scheuer leer
vom Duft zu lesen nur
im Lichtstaub noch

unterm Schädeldach
wenn draußen sich das Grün
mit Plastikballen balgt


Eine schöne Rezension des aktuellen Gedichtbandes "Gesternmorgenschnee" von Jürgen Peter Stössel war kürzlich in der Badischen Zeitung zu lesen.



(Foto "Steinmann", gesehen auf dem Weg zum Piz Blaisun. Im Hintergrund die Berge des Schweizer Nationalparks. Am Abend war die fragile Kunst zusammen gefallen. (c) Matthias Kehle).

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