Donnerstag, 13. August 2009

Langweilig: Gerhard Falkner und Hendrik Jackson kloppen sich

Im Netz, vor allem via Poetenladen, kloppen sich Gerhard Falkner und Hendrik Jackson wegen der Vergabemodalitäten des Huchel-Preises. Eine langweilige Neiddebatte, ich erinnere mich lebhaft daran, dass Jürgen Lodemann einmal beiläufig zu mir sagte: "Machen wir uns nichts vor: In spätestens 200 Jahren sind wir alle vergessen." Die Lyrikzeitung erinnert an Eich, der 1970 schrieb: ""Diesen Ausschließlichkeitsanspruch verstehe ich nicht ganz. Ich persönlich könnte oder kann Jandl, sprechen wir jetzt mal von Lyrik, Jandl ebenso schätzen wie Celan, zwei sehr verschiedene Arten von Schreiben. Ich sehe nicht ein, warum nur das eine und nur das andere möglich sein soll."
Viele der Debatten um zeitgenössische Lyrik sind von gesundem oder ungesunden Egoismus geprägt. Es gibt nicht allzuviele Kollegen, von denen ich behaupten könnte, dass sie andere Lyrik als ihre eigene und die ihrer Unterstützer im Blick hätten. Auch dieses ganze spießige Hickhack um die Kohle verleidet mir mitunter die Schreiberei.

Kommentare:

Andrew Shields hat gesagt…

Dazu gibt es die Ironie, dass viele Falkner und Jackson wahrscheinlich als ziemlich ähnlich in der Poetik einschätzen würden! Nicht ganz so, wie wenn man entweder die Beatles oder die Stones mochte und die jeweils andere Band hasste, aber in die Richtung geht das!

markus hallinger hat gesagt…

Ich habe das Gefühl, die (neue) Lyrik läuft sich gerade tot, oder ist gerade dabei sich totzulaufen. Nicht nur des inflationären Schreibens wegen. Debatten werden angestoßen, die keine sind, siehe Jackson-Falkner (wobei die nicht zur „neuen Lyrik“ zu zählen sind), in denen hauptsächlich ein Rechtfertigungsdruck herauszulesen ist, oder der Druck um Präsenz, was vielleicht das Selbe ist. Es geht nicht mehr darum zu klären was man eigentlich mit seinem Schreiben will, oder versucht sein Schreiben und das anderer zu erklären, oder noch besser, der Gesellschaft gegenüber zu klären. (Wobei Falkner und Jackson das können, umso unverständlicher der Streit.)

Es gibt anscheinend keinen Zeigefinger mehr, keine Stirn oder Wand an der man sich wundreiben könnte. Niemand sagt, das geht so nicht! Dazu kann man sagen, Gott sei Dank ist das so, oder auch, leider. Eine gute Frage für mich, die man Texten stellen kann, ja vielleicht muss:
und! was soll das, wen holts hinterm Ofen hervor.

Wenn ich den Poetenladen aufschlage, oder Fixpoetry, finde ich 2/3 hübschgesagte Belanglosigkeiten, die zugegeben versuchen mit dem was man vorfindet zu arbeiten, aber was findet man vor, meist eine Kurzsichtbrille aus Medienerfahrung (medialer Wahrnehmung), Leseeindrücken, die Spracherfahrungen ist von wohlklingender Lässigkeit… Oft denke ich an meine Sportfreunde Stiller. Was meist fehlt ist der persönliche Druck und die Fähigkeit sich in einem Kontext zu sehen und zu stellen. Schlage ich jetzt Lyrik von Jetzt 1 auf, kommt das schon alles verdammt zeitgebunden daher, und wirkt weit weniger innovativ als zu Anfang (die Ausgabe 2 hab ich mir gar nicht mehr gekauft). Selbst die meisten Debatten die sich um diese „neuen Schreibarten“ rankten, wirken beim Nachlesen überholt.

Der viel geäußerte Verdacht, es ging und geht hier darum, sich gegenseitig wichtig zu nehmen um an Gewicht zu zulegen, ist nicht so leicht zu entkräften.
Welche Bücher zieht man denn immer wieder aus dem Regal heraus, Abteilung moderne Lyrik, Jandl, Pastior, Kling, Beyer, Grünbein, (Falkner), Jackson, Rinck, Scho… Auch wenn’s mein persönlicher Geschmack ist.

Jackson hat gesagt…

also liebe leute, ganz kurz zu erklärung.
ich habe auf lyrikkritik vor nun schon einiger zeit diese kritik angebracht. um neid ging es da in keiner zeile.

was falkner jetzt im poetenladen macht ist meine sache nicht. habe ich ja auch in meiner kurzen erwiderung gesagt.

schlussfolgerungen:
1. bitte lest aufmerksam. wers langweilig findet -so unendlich lang ist die debatte nun auch nicht.
2. ich finde kritik und auseinandersetzung wichtig. dabei geht es nicht um preise, das habe ich ja auch nochmal betont, sondern um ein gewisses verhalten, um ansprüche etc. wenn das so irrelevant wäre, sähe die welt anders aus.
wieso nur regen sich alle auf, wenn mal gestritten wird? weder falkner noch mir wird man ja wohl vorwerfen können, dass wir uns nur um solche dinge kümmern.
3. lieber markus, ich würde schon einmal in LVJ 2 schauen, bevor du untergang prognostizierst.
besser aber noch in rons sammlung


grüße

hendrik jackson