Montag, 10. August 2009

Schreibprozess - Schreibblockaden

Schreibblockaden kenne ich nicht. Ich habe nur oft keine Lust zu schreiben, und ich schreibe doch. Journalistisches, Tagebuch, Blogbeiträge. Ursprünglich wollte ich gar kein "Dichter" werden, ich träumte allenfalls davon, vom Schreiben zu leben. Und so ging es erstmal in Richtung einer akademischen Karriere. Mein ehemaliger Chef an der Uni (der die gleiche Leidenschaft für die Berge hat wie ich, weshalb wir auch noch Kontakt haben) wollte schon vor der Zwischenprüfung, dass ich promoviere. Daraus ist nichts geworden, habe ich doch irgendwann bemerkt, dass man mit dem freien Schreiben durchaus Geld verdienen kann. Dichter bin ich beiläufig geworden, und so wundert es mich nicht, dass ich oft keine Lust auf Gedichte habe: Auf die Lektüre von Gedichten, auf das Schreiben von Gedichten. Immer, wenn ich längere Zeit im Gebirge war, denke ich, nie wieder ein Gedicht schreiben zu können oder zu wollen. Und jedesmal, wenn ich einen Gedichtband fertig gestellt habe, habe ich das Bedürfnis, größere, längere Texte zu schreiben, schließlich stehen herzlich wenige "Zeichen" in Gedichtbänden, in meinen Gedichtbänden noch viel weniger als in denen von Kollegen. Oft habe ich auch das Gefühl, gar kein Dichter zu sein, kein "Künschtler". Vor allem, wenn ich an einschlägigen Cafés vorbei flaniere, in denen Gestalten sitzen, die glauben, sie seien Dichter. Ich bevorzuge andere Cafés in Karlsruhe. Meine Interviews führe ich meist im "Palaver"; wenn ich in Ruhe Zeitung lesen möchte (vor allem im Winter, weil da nachmittags lange die Sonne rein scheint, falls sie überhaupt scheint) das "Lehners" am Ludwigsplatz. Das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. Ich wollte nur notieren, dass ich doch eine Art Dichter aus Berufung sein muss (klingt nach dem romantischen Dichter-Ideal, gell?) oder mich so sehr an die Tätigkeit gewöhnt haben muss, dass es mich nach einer relativ kurzen Weile doch drückt und drängt, Notizen zu machen, die alsbald zu Gedichten kondensieren. Nur einmal, im Jahr 1995, habe ich während eines Bergurlaubes ein Gedicht geschrieben, eine Porträtskizze, inspiriert von einem guten Schweizer Bekannten, den ich schon seit 35 Jahren kenne, ein Text, der ein Jahr später in dem Band "Vorübergehende Nähe" erschien.

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