Freitag, 28. August 2009

Zum 80. Geburtstag von Walter Helmut Fritz (III)

Ein Interview mit dem Literaturwissenschaftler Matthias Kußmann:

Meister der Auslassungen

Karlsruhe. Der Karlsruher Autor Walter Helmut Fritz, einer der bedeutendsten Lyriker der Gegenwart, feierte in dieser Woche seinen 80. Geburtstag. Doch Fritz hat nicht nur Gedichte geschrieben. Matthias Kußmann, wie Fritz Karlsruher, Literaturwissenschaftler und Autor, hat in Fritz’ Hausverlag pünktlich zum Geburtstag das Gesamtwerk des beeindruckend vielseitigen Literaten herausgegeben. Harald Schwiers sprach mit Matthias Kußmann über Fritz und seine Aufgabe als Herausgeber.

Der Kurier: Seit wann befassen Sie sich mit dem Werk von Walter Helmut Fritz und was gab den Anstoß dazu?

Kußmann: Zu Anfang meines Studiums, vor über 20 Jahren, stieß ich durch Zufall in einer Karlsruher Buchhandlung auf einen Band von Fritz. Ich schaute hinein und war sofort fasziniert. Ich habe dann nach und nach alle seine Bücher gekauft und ihn auch bald persönlich kennen gelernt - einen überaus angenehmen Menschen.

Der Kurier: Was ist das Besondere an der Lyrik von Fritz?

Kußmann: Es gelingt ihm, in ganz kurzen Gedichten mit einfacher Sprache große Poesie zu schaffen. Er schreibt - auch in seinen Romanen und Erzählungen - oft über den Alltag, die Liebe, Kunst und Musik. Man findet das eigene Leben darin wieder.

Der Kurier: Wie umfangreich ist das jetzt herausgegebene Gesamtwerk?

Kußmann: Etwa 1600 Seiten, verteilt auf drei Bände. Neben der Lyrik gibt es vier sehr lesenswerte Romane, Erzählungen, Kurzprosa, Aufsätze, ein Hörspiel und ein nie veröffentlichtes Theaterstück - eine kleine Sensation!

Der Kurier: Auf welche Probleme stößt man als Herausgeber bei der Sichtung eines derart großen Werkes?

Kußmann: Die Vollständigkeit ist natürlich immer ein Problem. Fritz hat Texte in der Tagespresse oder in kleinen Zeitschriften veröffentlicht, die 30, 40 Jahre später schwer zu finden sind. Glücklicherweise hat er viele Belege gesammelt, so dass ich nicht jeden Text erst recherchieren musste...

Der Kurier: Welchen Stellenwert hat der Karlsruher Autor in der deutschen Gegenwartsliteratur?

Kußmann: In den 60er bis 80er Jahren war er einer der wichtigsten Lyriker. Und er war der erste deutsche Autor, der sich in seinen Romanen auf den damals wichtigen französischen "Nouveau Roman" bezog. Seine Lyrik wird bis heute auch von jungen Autoren gelesen und prägt deren Werk, Nico Bleutge oder Matthias Kehle etwa.


(heute im Karlsruher Kurier, das Interview führte Harald Schwiers, merci Harald)

Auch in unserem vorzüglichen Stadtmagazin, in der Septemberausgabe der Klappe Auf, findet sich ein Artikel zum 80. Geburtstag von Walter Helmut Fritz, und zwar von Peter Kohl, einem fachkundigen Journalisten, der auch schon gelegentlich Gastbeiträge in diesem Blog hatte, immer dann nämlich, wenn er (und nicht ich) in den Badischen Neuesten Nachrichten über Ereignisse rund um Lyrik in und um Karlsruhe geschrieben hat.


P.S. Kehle ja, Sayer, Peter Ettl, Ludwig Steinherr oder Simone Hirth auch. Aber Nico Bleutge? Das wird mir erst jetzt klar, wenn ich an seine poetologischen Äußerungen denke.

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