Dienstag, 20. Oktober 2009

Gedicht des Tages - Manuel Stallbaumer


Eine Leserin machte mich auf einen jungen Autor aufmerksam, der ein beachtliches Talent habe. Sie schickte mir Texte von Manuel Stallbaumer, geboren 1990 in Herrenberg, und in der Tat fand ich in dem Manuskript einige bemerkenswerte Gedichte. Nicht alle Versuche überzeugen, aber das wäre zu viel verlangt. Als ich 19 Jahre alt war, schrieb ich noch sehr bescheidene Lyrik, anderen Dichtern meiner Generation ging es ähnlich. Heute werden junge Autoren sehr viel mehr gefördert, sei es durch Schreibwerkstätten, sei es durch ein Studium, etwa in Hildesheim oder Leipzig. Ob dabei am Ende eigenständigere Literatur entsteht als bei uns Autoren der "mittleren" Generation? Das mögen andere entscheiden. Jedenfalls freue ich mich, zwei Gedichte von Manuel Stallbaumer bloggen zu können:


juli. morgens

ob ein blinder, die hand auf deinen lippen,
die farbe rot verstehen würde.

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whiskey im hinterhof,
ein stachel-
drahtseilakt. unter anderem skalpieren
weinberge die stadt sie bricht dort
ab. man wird satt von bahnhöfen
und gedichten, es gibt von beiden zuviel.
dies ist ein biografischer begriff, ich kenne
schallmauern voll graffiti
und verstehe trotzdem keine farben.



Infos:
Manuel Stallbaumer, geboren am 19.04.1990 in Herrenberg, von da an in Aidlingen lebend, Abitur 2009 am Goldberg-Gymnasium in Sindelfingen. Teilnahme an diversen Schreibwerkstätten im Stuttgarter Literaturhaus unter Leitung von José F.A. Oliver, dabei erste Veröffentlichung in "Literaturmachen zehn", erschienen 2006, weiter Veröffentlichung in der österreichischen Literaturzeitschrift kolik Nr. 43. Lebt seit Oktober 2009 in Leipzig, dort Studium am Deutschen Literaturinstitut.

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