Mittwoch, 14. Oktober 2009

Nützt der Deutsche Buchpreis dem Leser?

Ich meine nein. Gerade lese ich Martin von Arndts Roman "Der Tod ist ein Postmann mit Hut", erschienen bei Klöpfer & Meyer. In Klagenfurt ist Martin im vergangenen Jahr nach der Lesung aus diesem Manuskript in der Luft zerrissen worden. Ich finde, es ist ein wunderbares und eigenwilliges Buch, das ich noch rezensieren werde, auch wenn Martin mit mir im Baden-Württembergischen VS-Vorstand sitzt. Ich bilde mir ein, nicht parteiisch zu sein - sogar meinem alten Dichterfreund Harald Hurst habe ich schonmal die Leviten gelesen, als er ein schlechtes Buch geschrieben hatte. Also werde ich weiterhin die guten Bücher mir nahestehender Kollegen loben und die schlechten verschweigen.

Auf Martins Roman weist auch Theo Breuer in einem umfänglichen Aufsatz anläßlich des "Deutschen Buchpreises" hin. Er zeigt auch eindrücklich, wie der Buchpreis, der Markt, funktioniert. Sicher hätte es Martin von Arndts Roman verdient, auf die Short- oder Longlist gesetzt zu werden, aber er ist beim falschen Verlag und damit bei genau dem richtigen!

Was lese ich bei Theo - apropos - über Kritiker:

"In Hans Benders Einer von ihnen. Auf­zeichnungen einiger Tage (Hanser: München 1979) lese ich:

Habe ich die Bemerkung von Günter Graß richtig behalten? Als er die Blechtrommel nach mehreren Überarbeitungen abgeschlossen hatte, sagte er bei einem Besuch in der Frankfurter Akzente-Redaktion: 'Nun weiß ich, was es heißt, einen Roman zu schreiben. Ich werde vor anderen Romanen und ihren Autoren von jetzt an mehr Respekt haben.' – Ich denke oft an diese Bemerkung, wenn ich Kritiken lese, die allzu eilfertig verfaßt, allzu böse und einfach zu dumm sind. Sie stammen von Leuten, die vom Handwerk des Schreibens keine Ahnung haben. Die Anfänger der Kritik, die Germanistikstudenten nach dem ersten Semester, die gelegent­lichen Mitarbeiter der Literatur­seiten, urteilen am unverfrorensten.

Verehrte Leserin, verehrter Leser, Sie sind also gefragt: Lassen Sie sich nicht blöde blenden von beifälligen Bespre­chungen, tönenden Besten­listen, aufmerksam­keits­heischenden Buchpreisen – und schon mal gar nicht von fiesen Verrissen: Das beurteilte Buch kann in Ihren Augen vollkommen anders geartet sein."


Wie immer kompetent, objektiv-subjektiv und unterhaltsam: Als der Buchpreis – beinahe – in die Eifel kam, so der Untertitel von Theos Aufsatz.

1 Kommentar:

Cara hat gesagt…

Wohl wahr. Persönlich würde mich wohl auch ein Verriss eher neugierig machen als ein Platz 1 auf der Bestseller-Liste...