Mittwoch, 28. Oktober 2009

"Sie werden bleiben" - Zum Tod von Heinz Czechowski

"Seine reimlosen, meist in freien Rhythmen gehaltenen Gedichte verströmen den Reiz des Spröden, Ungeschönten. Sie werden bleiben", schreibt Tilmann Krause zum Tod von Heinz Czechowski in der aktuellen Ausgabe der WELT. Dieser ostdeutsche Dichter war einer der wenigen Lyriker, die ich Durch-und-Durch-Wessi (Karlsruhe ist so weit weg von der DDR gewesen, dass sie mir als Kind und Jugendlicher völlig irreal vorkam) nicht nur zur Kenntnis nahm. Der Band "Kein näheres Zeichen" stand schon sehr früh in meinem Bücherregal. Und ich erinnere mich, ohne dass ich dafür einen Beleg anführen könnte, dass vor 20 Jahren jemand beklagte, dass von Czechowski allenfalls 300 Lyrikbände verkauft würden. Als Jungdichter (Anfang 20 war ich damals, also wirklich "blutjung") hat mich das reichlich erschreckt. Und dazu beigetragen, dass ich ich kein "Berufsdichter" werden wollte, sondern eine akademische Laufbahn anstrebte. Bleibt zu hoffen, dass sich das in den darauf folgenden Jahren geändert hat und von Heinz Czechowski mehr Gedichtbände verkauft wurden.
"Gedichte kommen oder kommen nicht", las ich damals in "Kein näheres Zeichen", "Die ungerufenen Worte stelln sich ein,/ Wenn Du sie nicht erwartest./ Geduldig hüllt sich das Papier/ In Schweigen, und die Sprache spricht/ Mitunter vor sich hin,/ als meinte sie/ Nicht sich und mich (...)// Geschrieben oder nicht,/ Die ungerufnen Worte/ Des unbeschriebenen Papiers, - / Sind sie nicht alle/ Nur eines Traums geträumtes Bild?" Das waren "Merksätze" für einen Jungdichter. "Sie werden bleiben" - nicht immer, eher selten, stimme ich mit den "Großkritikern" überein. Im Falle der Gedichte von Heinz Czechowski schon.

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