Montag, 9. November 2009

Gedicht des Tages - Lasse Samström

Vergangene Woche gingen die Baden-Württembergischen Landesliteraturtage in Konstanz mit einem Poetry-Slam zuende. Mindestens drei Autoren lasen bemerkenswerte Texte und haben reichlich kabarettistisches Talent. Bemerkenswert war, dass der Wolkenstein-Saal voll besetzt war mit jungen Leuten. Normalerweise senke ich mit meinen 42 Jahren jeden Altersdurchschnitt bei Literaturveranstaltungen, bei einem Gutteil der Besucher hätte ich jedoch durchaus der Vater sein können. Das macht mir Hoffnung, vielleicht lesen einige der jungen Menschen Gedichte und wollen sie nicht nur hören? Vielleicht besuchen sie in ein paar Jahren auch ganz normale "Wasserglaslesungen"? Ich erinnere mich zu gut, dass ich mit Anfang Zwanzig auch lieber durch die Kneipen meiner Heimatstadt zog statt zu Lesungen oder ins Theater zu gehen. Was mich nicht davon abhielt, selbst Gedichte zu schreiben.
Einer meiner Konstanzer Favoriten, der leider nicht zu den Siegern des Slams gehörte, überließ mir seinen Beitrag, ein herrlich verspieltes Gedicht, das ein wenig, aber nur ein wenig an Heinz Erhardt erinnert. Was durchaus als Kompliment zu werten ist. Danke, Lasse Samström! Im Original ist das Gedicht übrigens zentriert gedruckt.


Der Stirbelwurm

Der Stirbelwurm
biß mich von den Reinen.
Mit napper Knot
kannte ich mich in den Koller
eines alten Flüchtenhauses freuden.
Ich ah mich summ und
flickte in lauter Brauengesichter.
Eine deine Rahmenwelt!
Ich wand mich fieder
In einer deinen Rahmenwelt.
Nur frisch und Auen. Frauter Lauen.
Nach der ersten Wurmstarnung
waren alle Flenner gemohen.
Nur ich, pier Frostituierte und
ein Schuftlutzbunker in
sotem Ramt. Verdammt!
Draußen stobte der Turm.
Wir fahren gewangen
und tonnten nichts kuhn!
Hilflos der Gemalt der Elesente ausgewetzt
hofften wir auf das baldige Einretten der Treffer,
aber schichts genah.
Keine Rattung kehm.
Reine Kettung kam!
Ein keinziger Schraubhuber
auchte tauf und
fies etwas lallen.
Ein keinziger!
Da konnten wir schwarten, bis wir warz wurden,
das wurde mir kalt blar.
Was tollte ich suhn?
Sanglahm wurden meine Dursten
Damisch, sie trollten was zu winken...
Was tollte ich suhn? Hurzerkand
herzte ich mir ein Faß und
frang ins Spreie!
Um mich herum ein einziges Wohutabohu!
Es stobte der Turm
Es trogen die Flümmer
Es orgte der Toban.
Der Rind wüttelte
an den Lensterfäden.
Der Rind wasselte
mit den Kahlstetten
der Schontainerkiffe am Hafen.
Der Rind woch
nach Schwäch und Pefel.
Ich aber,
modestutig
lannte ros
überstraßte die Quere
straffte es auf die andere Schafenseite
und kiffte es so gerade eben noch in den Schaosk
bevor ein wiesiges Rohnmobil
vom Fimmel hiel
und in den Kundenkrachplatz parkte.
Knass war dapp!
Kofort saufte ich
sechs Blaschen Vier
für mäch und die Miedels.
Da ließ sich der Steh doch gleich viel besser übersturmen.
Der Kioskbesitzer marnte wisch:
„Da draußen leben sie n Schwebensgefahr!“
Und er ratte hecht.
Der Schwieckweg erwies sich als rühriger
als gedacht. Scheider laffte ich es nicht,
falle Laschen zicher ans Siel zu bringen.
Der Rind entwiß mir zwei.
Sie wogen zehn Meter flight
und zerphallten auf dem As-Schelt.
Der Hurm hatte sie sich gestolt.
Verscheißte Damme! Das bedeutete, dass ich nichts zu hinken tratte.
Denn ich bin ein Mänteldschän
und hätte natürlich auf meinen Zichtteil verantet.
Aber die Netten waren nutt und meilten mit tier.
Nighter passierte wichts.
Außer das Hübliche alt.
Ruß man nich drüber meden. Was man halt
im Muff so pacht, wenn die Netten einen
nutt finden und kein Zunäher
in der Hälte ist. Ich war der Kahn
im Horb, gemisserwaßen.
Wir hatten Spielfarce!
Das Vier war gut inbestiert.
Irgendwann abbte der Stirbelwurm flau
und nach einem nurzen Kickerchen
sagte ich allen auf Siederwehn und entschwand
unter Hinken und Wändeschütteln.
Wieder einmal hatte ich viele Glücken
menschlich gemacht und nur zwei Blaschen Vier kaputt.
Es war ein aber Schönend gewesen.


Wer übrigens Lasse Samström "live" erleben möchte, suche einfach mal bei Youtube! Viel Spaß!

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