Samstag, 28. November 2009

Gedicht des Tages - Thomas Liebscher

Die meisten meiner Leser ahnen allenfalls, dass ich badischen, genauer: Karlsruher Dialekt spreche. Dieser badische, genauer: Karlsruher Dialekt ist in den letzten Jahren dank Harald Hurst salonfähig geworden. Wenn man sich in akademischen Kreisen bewegt, in denen ein gepflegtes Südhochdeutsch gesprochen wird und der Name Harald Hurst fällt, schwäddse glei alle badisch. Dutzende Nacheiferer hat Harald Hurst gefunden, viele, viele Kollegen, die es in Mundart versuchen, klingen wie eine schlechte Kopie. Hursts Niveau erreicht niemand. Es gibt einige wenige Ausnahmen mit einem eigenen Tonfall, Andreas Kohm etwa oder Thomas Liebscher. Ich würde sein Juni-Gedicht auch bloggen, wenn er nicht einer meiner BNN-Redakteure wäre, wenn ich jetzt nicht Sehnsucht hätte nach sommerlicherem Licht. Was im nordbadischen Raum an Mundartlyrik geschrieben wird, ist sicher vergleichbar mit dem anderer Regionen, aber das wäre ein Thema für Literaturwissenschaftler. Dass man diese Gedichte nicht in Hochsprache übersetzen und mit Lyrik in Schriftdeutsch vergleichen kann, sollte dem (Laut-) Leser klar sein.


Juni

Mir fällt uf oimol uf, dass im Vorgarde was blieht.
Die Katz hot mich gonz leicht in de Arm gebisse.
Den Kuli gfunne, den i seit zwai Woche such.
Wie’s Fahrrad heit saust bei dem Rückewind.
Ufm Baurehof Spargel un Erdbeere gholt.
Mol widder en Loddozeddel ausgfillt.
Jetzt bloß im Garde sitze un lese.
Do guck no. Irgendwas vum
sunnige Himmel, des net
im Wetterbericht
gwest isch.
Irgendwas
muss mit
uns zwai
bassiert
sei.
Un debei
hemmer doch
gar koin Mai
meh.

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