Montag, 16. November 2009

Gedicht des Tages - Ulrich Koch

NACHSAISON


Am späten Mittag, der leeren Kirche,
steht die Zeit still im Gegenlicht
der tiefen Sonne, an der noch eine Lerche
hängt, daneben ein Bussard als Gegengewicht.
Im Hafen kippelt ein Katamaran
zwischen eingemotteten Ausflugschiffen –
der Herbstwind probiert seine Schuhe an
mit vorsichtig trippelnden Schritten.
Das Meer zieht jeden Betrachter
in seine leise hypnotische Weite.
Auf der Sandbank nüchtert ein Frachter
aus, rostig, mit schwerer Schlagseite.
Segel blättern ab vom Horizont.
Auf dem flirrenden Strand schwanken Schemen –
ein Rentnerpaar, das sich seit Stunden sonnt,
steht auf, um sich neu einzucremen.


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