Freitag, 6. November 2009

Wer im Glashaus sitzt

Ein altbekannter Dichter hat eine nach eigenen Angaben gut besuchte Lesung im Rahmen eines großen Literaturfestivals. Sein Moderator ist ein hochkarätiger Literaturwisschaftler, der seine Arbeit hervorragend macht. Noch am selben Abend bekommt der Dichter sein Honorar bar in kleinen Scheinen. Zwei Tage später beklagt sich dieser Dichter in der Lokalzeitung in einem umfänglichen Artikel über mangelnde Werbung, Unprofessionalität der Veranstalter, über die Tatsache, dass er sein Honorar nicht sofort unmittelbar nach der Lesung ausgezahlt bekommen hat oder aber die Tatsache, dass er seinen Veranstaltungsort nicht gefunden habe. Der versierte Lokalzeitungsleser stellt jedoch schnell fest, dass dieser Dichter im Programm, vielleicht dank einer Kurzsichtigkeit oder mangelnder geografischer Orientierung, zwar "02 Dreifaltigkeitskirche" gelesen, aber "20 Rosgartenmuseum" gesucht hat.
Unglaublich? Jochen Kelter hat es fertiggebracht, eine wundervolle Visitenkarte für künftige Literaturveranstalter abzugeben. Siehe Südkurier, Ausgabe vom 5. November. Lieber Jochen Kelter: Wie schön, dass Sie keine Lesungen mehr nötig haben. Da kann man ja künftig freundlichere Kollegen einladen, die überdies auch noch bessere Gedichte schreiben.

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