Samstag, 5. Dezember 2009

Florian Voß im Karlsruher Literaturhaus

Gestern (4.12.09) in den Badischen Neuesten Nachrichten:

Als Lyriker einen Roman schreiben? Die Umstellung sei ihm nicht allzu schwer gefallen, sagte Florian Voß bei der Vorstellung seines Romans "Bitterstoffe" im Karlsruher Literaturhaus. Es sei nämlich ein autobiografischer Roman, die meisten Figuren seien aus dem "echten Leben übersetzt". Dieses "echte Leben" spielt sich zu einem großen Teil in Karlsruhe ab, wo der 39-jährige Autor aufgewachsen ist. Voß liest die Geschichte eines jungen Mannes namens Felix, der sich plötzlich mit zwei Toten konfrontiert sieht, mit seinem Großvater und Annemarie, einer junge Frau, die er seit seiner Schulzeit kennt, "wie mit einem Lichtschalter ausgeknipst, Hirnschlag". Beim Begräbnis des Großvaters kommen Felix unwillkürlich Erinnerungen an seine Kindheit, an seine Großeltern. Der Tod Annemaries führt ehemalige Schulkameraden wieder zusammen. Auch hier sind es Erinnerungen an die 80er-Jahre, an Discobesuche, an Alkohol, Joints und Sex.
Diese Rückblicke an eine Generation, die seltsam gelangweilt und unbeteiligt durchs Leben torkelt, bleiben farblos, von Karlsruher Lokalkolorit ist wenig zu sehen: Die berühmte Disco K5 könnte eine X-beliebige sein, Voß macht sie nur durch ihre Eisentüre kenntlich. Die Langeweile der Protagonisten scheint sich in deren Wahrnehmung und in Voß' konventioneller Sprache niederzuschlagen: Auf einem Flohmarkt auf dem Markusplatz findet sich exakt das, was man erwartet: "Kisten voll fleckiger Bücher, die nach Keller müffelten, (...) aufgereihtes, klebriges Plastikspielzeug, Puppen mit zerkratzten Augen."
Einen "Generationenroman" habe er geschrieben. Zwar gehöre er, Jahrgang 1970, eigentlich zur "Generation Golf", doch war er Teil einer anderen Szene als den Yuppies, die reichlich Eingang in die Literatur gefunden habe, "mit denen haben wir uns geprügelt." Und so werden die gereiften Felixe, Julias oder Georgs mit dem Tod konfrontiert und mit dem, was sie als Jugend zwischen Joy Division und der nächsten Zigarette, zwischen Teilnahmslosigkeit und Verweigerung wahrgenommen haben. Florian Voß' Lesung zeugte von einem blassen und handlungsarmen Roman, der immerhin folgerichtig aus dem Lebensgefühl eines bestimmten Milieus der "Generation Golf" resultiert. maske

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