Montag, 7. Dezember 2009

Gedicht des Tages - Timo Berger

Nach dem Tagebuchschreiben lese ich morgens meine Emails, schaue anschließend bei Ebay vorbei und dann nach den aktuellen Wetterkarten. Hernach kommt meine Lieblingsseite www.alpen-panoramen.de dran, und erst dann geht's frühestens zu meinem Blog. Das Weihnachtsgedicht von Timo Berger, das er mir gestern Abend sandte (merci!), finde ich jedoch so gut, dass ich es stehenden Fußes blogge.


Idyll in Acryll

Wer glaubt schon an den Weihnachtsmann,
den Run auf Auslagen oder die Sorgfalt
des Steuerberaters? Auf dem Nikolausmarkt
regiert der Preisschock: Elektrowaren, Wurst
so viel Sie wollen, für den ersten der zuschlägt,
ein Zuschlag, die Tanne, wie jedes Jahr teurer.

Mein Vater fährt mit den ersten grauen Haaren
bei Anbruch der Dunkelheit in den Forst,
fällt nichts, gräbt mit der Wurzel aus, ein
vom Orkan verschontes Exemplar. Wir steigen
auf Kissen, singen die Lieder im Umkreis mit,
jemand wirft ein Geschenk an die Wand,

Die Wahrheit der Familie entblättert sich
auf dem Bildschirm, die Nachbarn schieben Schoki
und Hund durch die Balkontür, wir über Saitenwürstchen
an Kartoffelsalat, das ein oder andere Gläschen
Champagner. Meine Mutter, die wie ein Teenager
kickt, mein Vater die Rüdin nach drüben bugsiert.

Die Tür zum Garten schnappt ins Schloss, dahinter der
Hund, der mit seiner Schnauze Schneeblumen
in die Scheibe reibt, ein verirrter Feuerwerks-
körper schießt in den Himmel, man dachte schon
an den Jahreswechsel, die Kinder auf der Couch,
Bittsteller oder Besserwisser, bald wieder fort.

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