Mittwoch, 20. Januar 2010

Gedicht des Tages - Julietta Fix

Heute mailte mir Julietta Fix ein Gedicht, dessen Sommer-"Feeling" mich erstmal neidisch gemacht hat auf jene Menschen, die in wärmeren Ecken dieser Welt leben. Und die letzten beiden Zeilen haben mich irritiert, aber gerade das "laben" hat seine Richtigkeit. Und weil ich wissen wollte, was es mit den "Cousins Islands" auf sich hat, fragte ich bei Julietta nach. Ihre Antwort ließ mir das Gedicht noch praller und lebensfroher erscheinen als bei der ersten Lektüre. Vor allem werde ich die "Cousin Islands" fortan nicht mehr vergessen und mit ihnen Juliettas Gedicht:

"Cousine Island ist eine Insel auf den Seychellen, eine Bekannte arbeitet dort als Biologin. Die Insel ist ein Naturreservat, auf dem versucht wird, die ursprüngliche Tier und Pflanzenwelt zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Die Insel beherbergt nur Tiere und Pflanzen die ursprünglich dort vorhanden waren. Bis vor zehn Jahren war die Insel eine Farm, auf der Schweine und Hühner gezüchtet wurden. Dann hat das Island ein Geschäftsmann gekauft, alles wurde abgerissen und ausgerottet, was nicht ursprünglich vorhanden war. Auf der Insel ist ein kleines Hotel, dessen Vermietung die Grundkosten des Projektes trägt. Alle Tierarten leben friedlich nebeneinander. Vögel, zum Beispiel der fast ausgestorbene Magpie Robin, existieren dort wieder, 119 an der Zahl. Sie werden behütet und gepampert und kein Tier auf der Insel kennt Angst."

Hier Julietta Fix' Gedicht (danke!), das diese Insel der Seligen porträtiert:


Cousine Island


Seltene Tiere, Käfer mit giftgrünen Flügeln
zieren den Baum vor dem Waschhaus
auf Steinen ruhen Eidechsen im Schatten wilder Blätter
tonnenweise Kakerlaken unter den Hölzern
Fingerfood für totgesagte Robins
ein Vogel wärmt sich im Sonnenlicht in einer Kokosschale
Tausendfüßler reinigen den Weg über Nacht
Holzfrüchte und Beeren an den Sträuchern
das Boot knallt an den Strand wie feine Steine der Brandung
gespült an nackte Füße, kleine Schnitte bluten kurz
Das Meer holt aus und schlägt das Land
Taschenkrebse kämmen den Strand
Die alten Kröten dämmern am Hang und weinen
Im Garten wächst alles was das Laben braucht
Niemand hat Angst.


Mehr von Julietta Fix natürlich bei: FIXPOETRY

1 Kommentar:

etsch hat gesagt…

Allein die drei letzten Zeilen sind
so stark, dass ein bleibendes Bild bleibt. Wunderbar.