Freitag, 8. Januar 2010

Gedicht des Tages - Markus Breidenich

Ich muss mich beeilen, das Gedicht zu posten, das mir Markus Breidenich dieser Tage mailte, denn noch ist es unveröffentlicht. Doch das wird sich schnell ändern, denn es wird demnächst in dem Band "Am Milchstraßenrand" bei der Lyrikedition 2000 erscheinen. Im Prinzip - und das ist das Gefährliche und Perfide daran - braucht man auch diesen Band nicht zu kaufen. Mit drei, vier Klicks landet man beim Google-Scan des Bandes, und das noch vor Erscheinen. Zwei Drittel aller Gedichte sind also schon online. Zum Glück gibt es immer noch Menschen, die Bücher in der Hand haben wollen. Um sie in der Badewanne zu lesen oder um sie beim Spazierengehen in der Jackentasche zu haben. Wird dieser Typus Leser aussterben? Wie wird unser Selbstverständnis als Autor sich ändern, wenn wir kein Papier mehr in der Hand haben, sondern nur noch den Bildschirm vor Augen? So irritierend der Gedanke ist, so faszinierend ist er. Mit der Inflationierung der Veröffentlichungsmöglichkeiten werden aber auch die wunderbaren Gedichte von Markus Breidenich "nichts mehr wert" sein. Denn wieviele Lyrikleser werden ihn finden? Einstweilen hat er - wenn er Glück hat - tausend Leser auf meiner Seite. Das ist mehr als er je über eine Literaturzeitschrift erreichen würde. Kürzlich unterhielt ich mich übrigens mit einer sehr angesagten Kollegen. Wir kamen zu dem Schluss, dass es für die eigene bescheidene "Karriere" nicht mehr wichtig ist, in bestimmten Zeitschriften vertreten zu sein. Eine verheerende Entwicklung? Die rührige Pressedame eines bekannten Verlages machte ich dagegen vor einiger Zeit darauf aufmerksam, dass ihre Lyriker unbedingt im Poetenladen oder bei fixpoetry vertreten sein müssen. Niemandsland Lyrik?



M e i n N i e m a n d s l a n d

Der Himmel, der mich betrifft, ist leicht bewölkt.
Ein Stück Meer treibt vor mir Richtung Osten und
morgens geht die Sonne darin auf, hinter Inseln,
vor der scharf bewachten Grenze zwischen
Freitag und Samstag, an der ich zum ersten Mal,
seit einer Ewigkeit wohl, heimischen Boden
betrete. Hier also nehme ich mein Äußerstes in Besitz
und füge mich in die Landschaft ein, in der ich,
stellvertretend für mich, eine Zeit lang wohne.


Mehr von Markus Breidenich: Hier klicken!

Keine Kommentare: