Donnerstag, 28. Januar 2010

Gedicht des Tages - Peter Ettl

Bei diesem Wetter habe ich eigentlich keine Lust auf gar nichts. Ich habe also das Laptop vom Fenster abgewandt und endlich mal alle Gedichte gelesen, die mir in der letzten Zeit zugemailt wurden. Ich blieb an einem ganz typischen Gedicht von Peter Ettl hängen. Manchmal gelingen ihm leichte, luftige, selbstironische Gedichte voller Melancholie. Und da ich genau weiß, dass Peter den Winter mindestens genauso hasst wie ich, blogge mit winterlichen Grüßen ein Gedicht, das gar nichts mit Wetter und mit Jahreszeiten zu tun hat, mich dafür aber an meine Kindheit erinnert (bei einem Frisör war ich in diesem Jahrtausend noch nicht...)


Haare

immer diese tortur
quatschen müssen ohne
lust dazu und vor allem ohne
sinn diesmal aber
steht hinter meinem stuhl
eine mit einem wollschal um die
obere hüfte gewickelt und wie wolle
nun mal so ist und sie nun mal so fragt
wie soll es sein und sich vorbeugt da
sehe ich die wallende landschaft von den
bergen bis zur mündung des
bauchnabels alles natur
und ich sage egal und sie schneidet und
schneidet und meint irgendwann da steht noch etwas hoch
und ich erschrecke aber dann schnippselt sie nochmal
lässt sie die luft schon raus vom stuhl und
ich darf nach hause mit der
landschaft im kopf und finde und finde
die schere nicht

1 Kommentar:

Veit Pakulla hat gesagt…

Dieses Gedicht hat was. Ich würde dennoch keineswegs nach der Schere suchen.