Freitag, 22. Januar 2010

Nichts Neues

Der Germanist Peter von Matt sieht ihn nicht, den Untergang des Abendlandes angesichts der Tatsache, dass in den dominierenden, "klassischen" Medien nur noch kulturelle Glanzlichter präsent sind. Im "Tagesanzeiger" ist zu lesen:
"Dennoch sei die Bandbreite kultureller Produktionen nicht schmäler, sondern eher breiter geworden. Und wofür in den Feuilletons kein Platz sei, dafür biete sich heute das Internet an. Als Beispiel führt von Matt die Lyrik an. Diese sei zwar inzwischen aus den Feuilletons verschwunden, habe aber im Internet eine neue Heimat gefunden, wo sie ihr Publikum findet und sie rege diskutiert wird. «Kulturkritik verschwindet nicht, sondern diversifiziert, verschiebt, verstreut sich.»" (Hier weiterlesen)
Das alles ist nichts Neues und beantwortet auch nicht die Frage, wie die Dichter heutzutage mit diesem neuen Medium Geld verdienen sollen. Johannes Poethen etwa war beim Süddeutschen Rundfunk Redakteur, bis in die 70er, vielleicht auch noch in die 80er-Jahre war das Radio ein gewichtiges Medium für Autoren.

Kommentare:

ronwinkler hat gesagt…

Dass Kulturkritik verschwinde, kann man sich nun auch nur als völlig unmöglich vorstellen. Was fehlt, sind wirklich demokratische Feuilletons, die ihre Inhalte in einem humanistisch-aufklärerischen Sinn breit fächern und sich nicht nurn auf vermeintliche Vermeintlichkeiten versteifen. Dass der Leser im Nachhinein selektieren bzw entflexibilisieren kann — dieses Vertrauen ist verloren gegangen. Überformt von ökonomischen Zwängen, aber auch von einer Politik des geringen Widerstands

Julietta Fix hat gesagt…

Wirklich demokratische unabhängige Feuilletons, die ihre Inhalte in einem humanistisch-aufklärerischen Sinn breit fächern, sind nur bei größt möglicher ökonomischer Unabhängigkeit möglich. Ich stelle mir seit langem die Frage, wie ich neben der unbezahlten Arbeit die mein Team und ich leisten, auch noch Autoren Ihrer Leistung gerecht entlohnen könnte.
Werbekunden sind zu annehmbaren Preisen nicht bekommen, bezahlter Content hat sich als nicht praktikabel erwiesen und Kooperationen scheitern zumeist an der Arroganz und Ignoranz einzelner, sich zu wichtig nehmender Personen. Es bedarf einer Menge an Pioniergeist und Glaube an die Sache, insbesondere Lyrik auf dem digitalen Wege vorwärts zu bekommen, d.h. dem Leser näher zu bringen. Ich würde mir wünschen, dass sich endlich diejenigen, die ähnliche Visionen verfolgen, an einen Tisch setzen und gemeinsame Sache machen, anstatt sich in Grabenkriegen als Einzelkämpfer verlieren. Das war jetzt ein militantischer letzter Satz, doch genauso meine ich das. Wir brauchen Leser, nicht rivalisierende Autorencommunities. Wenn wir genügend Leser für unsere Arbeit finden, baut sich verloren gegangenes Vertrauen und auch politisches Bewusstsein wieder auf.