Dienstag, 16. Februar 2010

Gedicht des Tages - Andreas Altmann

Vor einigen Tagen erhielt ich den neuen Gedichtband "Das zweite Meer" von Andreas Altmann, ein sehr schön gestalteter Band, wie alle Bücher des Poetenladen-Verlags. Ich bat Andreas um ein Gedicht aus dem Buch, das er mir gerne zur Verfügung stellte. In einer aktuellen Rezension bei bei Fixpoetry wird die "Klarheit" der Texte gelobt, aber die "Beschränkung der Wortfelder" kritisiert. Ich halte dagegen: Andreas Altmann hat sein Vokabular gefunden, das macht seine Naturgedichte so unverwechselbar im Tonfall. Die "Freie Presse" lobt Altmann als "ein Dichter leiser Stimme und behutsamer, gleichwohl hoffender Trauer um das Vergehen, das Vergangene und das Vergängliche".


das engelhafte


das zögern der augen, bevor sie ineinander
übergehen, hat immer den kopf festgehalten,

wenn sich erinnerungen zu weit nach ihm
umdrehten und der klang des schweigens

im nebelrauch aufstieg. doch der späte herbst
strich noch einmal sein mattes licht in die bäume,

das sich über mittag mit ihnen einfärbte.
ich hatte das zimmer geräumt, stand mit

den koffern am bahnsteig und sah einen zug
in der ferne, der aber nicht näher kam.

so vergingen die jahre. sätze, die ich hätte
sagen können, glänzten, wenn ich an sie dachte.

so sah ich sie. und gab sie nicht mehr aus der hand,
wie den koffer mit den bäumen und häusern

und ein paar holzengeln, denen ich die flügel
abgenommen hatte. aber ich war zu schwer

für sie und zu lange am leben. ich trug sie
hinter ihrem rücken.


Link zur Rezension bei fixpoetry

Link zu dem Buch beim Poetenladen

Besprechung der Buchpremiere in Hainichen am 29.01.10 in der Freien Presse

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