Freitag, 5. Februar 2010

Gedicht des Tages - Armin Steigenberger

Kürzlich mailte mir ein Leser, ich solle bei den Gedichten des Tages nicht so viel dazu schreiben. Armin Steigenberger ist jedenfalls auch ein Preisträger des im Januar vorgestellten "Irseer Pegasus", im Jahr 2009 belegte er den ersten Platz.
Weitere Infos über den Autor im Poetenladen oder bei der lyrikwelt. Das Gedicht war bisher unveröffentlicht.


wir murrten lebensgroßes glück. doch hatten
wir hie und da zu wenig zeit für uns.
wir labten uns zu wenig gegenseitig. hunds-
gemeine tage waren das. du trugst den button

wie wir uns gegenseitig überschatten
im endeffekt war das nicht lustig, uns
vor uns so klein zu machen, wie cartoons,
an deren miniatürlichkeit wir ganz ermatten.

wir murren liebe. schatten wächst. wir taumeln
um zwergenhafte flammen, albern klein,
in unser trübes schwarzes glück und sehen

kein licht in uns. dein button feixt. wir baumeln
um irre sonnen funzelfroh, im schein,
verflattern uns im lebensfake. vergehen.

Kommentare:

Mic hat gesagt…

Ein wunderbares Sonett. So sprachgewand(e)t hat diese Form eine Renaissance verdient.
Ich schätze Armin Steigenberger auch als formalen Könner und suchte deshalb nach der inhaltlichen Entsprechung der Abweichungen in den Versen 3, 4 und 8 (sechs Hebungen statt fünf). Bewusst oder unbewusst? Egal, ich finde, „das kann man gerade noch so gelten lassen.“

Armin Steigenberger hat gesagt…

:-) Danke, Mic! Tja, die Abweichung von der Form... wo einem mitten im 5-hebigen Jambus ein völlig un-alexandrinischer 6-heber unterläuft... schwer zu sagen warum. Intuition? Vermutlich, weil das Sonett sich dann vom streng formalen Sonett sich wieder wegentwickelt hat, der Inhalt war dann so wichtig, dass er das Korsett gesprengt hat. Bei Ann Cottens "Fremdwörterbuchsonetten" kommen zwischendurch Daktylen usw., manche Verszeilen sind nur 3-hebige Jamben. Warum???