Montag, 8. Februar 2010

Helene Hegemanns Plagiat

VS-Kollege Matthias Mala kommentiert in einem internen Rundschreiben Helene Hegemanns Plagiats-Geständnis so treffend, dass ich es mit seiner Genehmigung hier mit Dank zitieren möchte. Vorab Hegemanns Geständnis, nachzulesen im Buchmarkt.

"Der Fall Helene Hegemann weist über sich selbst hinaus auf ein kulturelles Übel:

'… dass das, was ich geschrieben habe, ein Stellvertreterroman für die Nullerjahre ist, muss auch anerkannt werden, dass der Entstehungsprozess mit diesem Jahrzehnt und den Vorgehensweisen dieses Jahrzehnts zu tun hat, also mit der Ablösung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess durch das Recht zum Kopieren und zur Transformation.' (Buchmarkt 7. 2. 2010)

So Helene Hegemann in ihrer Stellungnahme zum Plagiatsvorwurf zu ihrem Roman 'Axolotl Roadkill'. Diese a posteriori gegebene Anmerkung zu ihrem 'Schaffensprozess' ist bezeichnend für die gesamtgesellschaftliche Verwahrlosung unseres Rechtsverständnisses. Die Auffassung, alles was sich fassen und kopieren lässt, bedenkenlos verwerten zu dürfen, ohne das Persönlichkeitsrecht des Urhebers geschweige denn sein Urheberrecht zu achten, ist längst nicht mehr extraordinär. Google macht es weltweit vor, sechszehnjährige 'Autoren' machen es nur nach. Und wer sie daran hindert, dem wirft man Urheberrechtsexzess vor. Wäre es nur das Gekeife einer Göre, die man beim Stehlen erwischte, wäre es keiner Rede wert. Doch es ist das Gekeife der Mehrheit der Internetbenutzer, die sich daran gewöhnt haben, von der schöpferischen Leistung anderer zu schmarotzen. Das Werk der Kreativen ist entwertet. Es ist nur noch der Styropor, um Internetseiten zu füllen. Das ist ein kultureller Niedergang, der über eklektizistische Zeiten weit hinaus geht. Er erinnert an jene barbarische Düsternis als man die Tempel der Antike schliff, um sich aus den Steinbrocken windige Ställe zu errichten.
Nicht das Urheberrecht ist exzessiv, sondern sein derzeitiger Missbrauch!" (Matthias Mala)

(Website Matthias Mala)

Kommentare:

Julietta Fix hat gesagt…

Originalität und Kreativität entsteht durch Lektüre. Übel wird es nur, wenn der Autor seine Quelle verschweigt und sich mit dem Argument „Das Netz ist ein offenes Buch“ aus der Verantwortung zieht. Bedenklich finde ich allerdings auch, dass SuKuLTuR von amazon die Auskunft bekommt, dass ein Buch von einem Herrn Hegemann bestellt und an die Lieferadresse der Tochter ausgeliefert wurde Das ist in meinen Augen ein Bruch des Datenschutzes. Darüber spricht aber keiner, da ist dann plötzlich genau dieses Mittel ganz recht.

Jeder Autor wird durch Texte anderer Autoren inspiriert. Das hat mit dem Internet und dem Erzfeind „google“ (der übrigens nur urheberrechtsfreie Texte verwendet) wirklich nichts zu tun, im Gegenteil das Spektrum von Lektüre wird durch das Netz größer und einfacher zugänglich.
Auch entwertet das Internet den Kreativen nicht. Es ist nicht die Publikationsform, die das Werk entwertet, das wäre zu einfach. Für die Entwertung eines Werkes ist noch immer der Autor, bzw. der allzu lockere Umgang von Herausgebern und Verlegern damit verantwortlich. Vergleichen wir einfach den Spiegel der Tagesprintmedien mit dem der digitalen Medien. Die Qualitätsunterschiede sind dieselben. Es liegt an uns, zu wählen was wir lesen, was wir hören, was wir ansehen - und was nicht.
Es bedarf eines hohen Maßes an Verantwortungsbewusstsein in den Verlagen und bei den Autoren. Man kann es sich leicht machen und das Internet dafür verantwortlich machen. Für mich ist das Fischen im Trüben, Kaffeesatzlesen…“das böse Internet- der Teufel der barbarischen Düsternis“.
Bleibt nach anzumerken, das es Plagiate zu allen Zeiten gegeben hat, nur wussten viele nichts darüber, da die Bücher ungelesen und unbekannt in den Bibliotheken verstaubten. Auch dank google können viele Bücher heute leichter gefunden werden.

hab hat gesagt…

@ j. fix / nur eine kleine notiz zu ihrer amazon-bemerkung: es ist davon auszugehen, dass der verlag diese hinweise nicht von amazon bekommen hat. amazon tritt (im moment, zumindest) selbst auch nicht als zwischenhändler dieses titels auf. angeboten wird der text aber auf dem amazon-marketplace. dort stellen auch viele verlage ihre produktion zum verkauf. bei einem kauf dieses titels kann es also durchaus zu einem direkten datenkontakt zwischen käufer und verlag kommen ...

R. Duraj hat gesagt…

"Bedenklich finde ich allerdings auch, dass SuKuLTuR von amazon die Auskunft bekommt, dass ein Buch von einem Herrn Hegemann bestellt und an die Lieferadresse der Tochter ausgeliefert wurde Das ist in meinen Augen ein Bruch des Datenschutzes. Darüber spricht aber keiner, da ist dann plötzlich genau dieses Mittel ganz recht."

hierbei ist amazon wohl nur die plattform, auf der SuKuLTuR seine bücher anbietet. somit hat, wenn ich diese händlershops da richtig verstehe, nur vermittelnde funktion. alarm schlagen ist dann nicht angebracht.

Klopfer hat gesagt…

Mir gefällt an dem Kommentar nicht, dass die "Mehrheit der Internetnutzer" und ihr Umgang mit dem Urheberrecht so über einen Kamm geschert werden. Nach meiner Erfahrung ist es für die meisten Internetnutzer zumindest auch stark grenzwertig, fremdes Material als eigenes auszugeben und damit selbst Geld zu verdienen. Sie kopieren zwar gerne (wobei man dies als Urheber auch reduzieren kann, indem man sich eben nicht anonym macht, sondern als Mensch fassbar - wenn man nicht mehr einfach nur ein Name ist, fällt auch das Kopieren den Leuten schwerer), aber zum größten Teil wissen sie auch, dass man sich nicht mit fremden Federn schmückt.

@Julietta: Amazon hat das Buch nicht direkt im Programm, man kann es über die Amazon-Seite aber bei anderen Anbietern bestellen, eben auch über den Verlag. Amazon leitet also da die Bestellung an den Verlag weiter, der diese dann selbst abwickelt. Das ist kein Bruch des Datenschutzes, da bei der Bestellung ganz klar wird, dass man die Ware bei jemand anderem bestellt und nicht bei Amazon selbst.

czz hat gesagt…

übrigens vermögen wir die ganze aufregung nicht wirklich nachzuvollziehen , es sei denn im kontext des diskurshoheitsanspruches von FAZ / FAS respektive des Schirrmachers .
hätten DIE sich nicht so um 180° gedreht ...
man sehe sich derzeit nur mal die verlagsvorschauen zum thema "vampir" oder mit dem wort "biss" im titel an : aber DAS wird ja nicht HOCHKULTURELL verhandelt .
mehr zur nötigen selbstkritik des fötongs bei Don Alphonso .