Mittwoch, 3. Februar 2010

"Quatsch mit doppelter Käsesoße" - Frank Milautzcki denkt über Stolterfohts "seltsame Parolen" nach

Immer wieder lesenswert die Aufsätze im Feuilleton von fixpoetry.com. Regelmäßig wird sie ja eingefordert, die Diskussion von poetologischen Fragen und dann doch nicht geführt. Frank Milautzcki gehört zu den wenigen Lyrikern, die immer wieder poetologische Standpunkte versiert hinterfragen. Mit dem Ergebnis, dass keine Diskussion stattfindet, Milautzcki stellt seine mitunter provzierenden Thesen in einen hallfreien Raum.
In seinem jüngsten Aufsatz "Kurz nachgedacht: über Stolterfohts seltsame Parolen" nimmt er sich Max Bense und Ulf Stolterfoht an. Hier ein kleiner Auszug:

"In der „Poetologie in Bruchstücken“, die Ulf Stolterfoht 2008 für den Südwestfunk als Hörspiel geschrieben hat, ist das auch so in einem Zitat angedeutet: „Man kann nie mit Gewißheit behaupten, daß ein bestimmtes Wort in einem Text auftritt, höchstens mit Wahrscheinlichkeit. Das Auftreten ist abhängig von der Entscheidung des schreibenden Autors, die positiv oder negativ ausfallen kann. In trivialen Texten ist die Zahl der Entscheidungen gering, da der Konventionalismus, der Tropismus der Umgangssprache den Text von der Entscheidung des Autors suspendiert und das Auftreten eines Wortes also stark vorbestimmt ist. Aber in künstlerischen Texten fällt im allgemeinen der Autor Wort für Wort eine Entscheidung über ihr Auftreten, was ein Anwachsen ihrer Information bedeutet, also des Grades ihrer Unwahrscheinlichkeit.“

Das Ganze ist ein Allgemeinplatz. Natürlich wächst die Informationsmenge eines Textes mit fortschreitender Spezifizierung (die übrigens genauso eigenen autorinternen Tropismen oder Abstoßungen unterliegt), sie wächst nicht nur durch das Anschwellen der materiellen Quantität, sondern vor allem durch die Ausweitung der Bedeutung zu poetischen Möglichkeitsräumen mit bisweilen enormer Zusammenhangsvielfalt. Ein Text beginnt mit der Zunahme von Syntax semantisch zu leben, ganz unweigerlich. Es ist mir völlig neu, daß das ein unwahrscheinliches Geschehen ist."

Unbedingt weiterlesen: Hier klicken!

Lesenswert und sehr umfänglich übrigens auch ein Porträt des norwegischen Dichters Olav H. Hauge (ebenfalls bei fixpoetry. Hier klicken)

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