Dienstag, 6. Juli 2010

Fußballgedicht des Tages - Timo Berger

Bevor ich mich in den nächsten drei Wochen über die Dreitausender Südtirols und das Engadin hermache, ein letztes Fußballgedicht. Danke Timo Berger!


Die Spielführerin

Ob wir, das heißt
du oder ich, gewinnen,
oder nicht
das liegt

um das Fuß-
ballvokabular
ein letztes Mal
zu strapazieren,

allein an der Spiel-
führerin, das
heißt an dir,
scherze ich,

Sarah, noch gut
gelaunt, ich,
Opportunist,
schlug mich

schon vor Tagen
auf die Seiten
des WM-Favoriten
für mich also

ein gemachtes Spiel
doch sie zwingt
mich zum Public
Viewing, ein

Kompromiss,
in ein argentinisches
Restaurant
in Kreuzberg

sie fiebert für Germany,
ich rechne mit
einem eindeutigen Sieg
der Blauweißen,

die Lage, angespannt,
nach dem ersten Tor
ruft Fausto, der Wirt
unberührt in die Runde,

wer hat das Hefe
bestellt?
Meine Spiel-
führerin legt mir

mitfühlend den Arm
um die Hüfte
das zweite,
das dritte Goal

gegen mich,
Schläge in den Magen
ich gehe aufs Klo,
verbarrikadiere mich

und höre doch
durch die Tür
noch einen Jubel,
den Abpfiff

und die Tränen-
ausbrüche
meiner Sitz-
nachbarn,

alles Exil-
argentinier,
nur sie, bester
Dinge, vielleicht

ist damit auch
etwas gewonnen,
eine andere
Art von Pokal.

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